Ein junger Mann fragte seinen Beichtvater: „Ich möchte so viel wie möglich über den Glauben und die Religion erfahren. Ich habe viele Bücher gelesen, aber ich weiß nicht, welche wahr sind und welche nicht. Die einen sagen dies, die anderen das, was soll ich nun glauben?“
„Mein Sohn, die größte Versuchung ist diejenige, die deinen Glauben mit allerlei schön klingenden, aber geistlosen Worten auf die Probe stellt. Würde es dir gefallen, wenn dir jemand einen festen, schönen Apfel schenkt, aber wenn du hineinbeißen willst, siehst du, dass er innen ganz wurmstichig und verdorben ist? Wäre dieser Apfel zu etwas gut? So sind auch manche Bücher: Sie beschäftigen den Verstand mit allerlei Ideen, aber sie nähren nicht die Seele.
Lies so viel wie möglich, aber versuche, wie die Bienen zu sein, die von Blüte zu Blüte fliegen und nur den Nektar sammeln, nicht aber andere unnütze Dinge. Sammle auch du den Nektar der Bücher, suche, was in ihnen nützlich ist, und wenn du die Wahrheit in den Büchern zu finden weißt, wirst du sie auch im Leben finden.
Die Heiden sagen, der Glaube sei nicht logisch. Aber in Wahrheit ist der Glaube über der Logik. Unser Verstand urteilt nach den weltlichen Dingen und ist nicht einmal imstande, diese zu erfassen. Die himmlischen Dinge können so nicht gefunden werden. Suche nicht mit dem Verstand, was du mit der Seele suchen musst, denn die Dinge der Seele kannst du nur mit der Seele finden. Und denke daran: Es nützt nichts, über den Glauben zu lesen, wenn du nicht im Glauben lebst! ‚Ohne Gott ist es nicht möglich, Gott zu erkennen‘ (Heiliger Irenäus).“