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Gleichnis

Abba Moses und die Milchgabe

Als Abba Moses durch das Land reiste, traf er einen Hirten und blieb einige Tage bei ihm, um ihm zu helfen, seine Herde zu weiden. Am Ende eines jeden Tages nahm der Hirte die beste Milch in einer Schale und stellte sie, weit entfernt vom Nachtlager, auf einen Stein.

„Wozu stellst du die Milch dorthin?“, fragte Moses.

„Das ist Milch für Gott!“, antwortete der Hirte ehrfürchtig.

Verwundert bat Abba Moses um Aufklärung: „Wie meinst du das?“

„Jeden Abend nehme ich die beste Milch und bringe sie Gott als Opfergabe dar!“

Als Abba Moses die Einfalt des Mannes sah, lächelte er und fragte ihn sehr ernst: „Und Gott trinkt sie?“

„Ja!“, rief der Hirte voller Selbstsicherheit aus. „Gott trinkt die Milch, die ich Ihm anbiete!“

Moses beschloss, den armen, naiven Mann aufzuklären: „Gott ist Reiner Geist, Er kennt weder Durst noch Hunger und braucht deine Milch überhaupt nicht.“

„Ich finde die Schale am Morgen leer, und ganz sicher stillt Gott Seinen Durst mit dieser Milch.“

„Nein, nicht Gott trinkt deine Milch! Lass uns heute Nacht das Gefäß bewachen, um zu sehen, wer die Milch trinkt.“

Überzeugt, dass Gott die Milch trank und neugierig, dies mit eigenen Augen zu sehen, legte sich der Hirte zusammen mit dem fremden Mann auf die Lauer.

In der Mitte der Nacht, im Mondlicht, sah der Hirte, wie sich ein kleines Tier der Schale näherte und die für Gott hinterlassene Milch trank.

Am Morgen, sehr traurig, mit finsterem Gesicht und schwerem Herzen, gab der Hirte Abba Moses recht. „Du hattest recht, ein Fuchs trinkt meine Milch!“

In der folgenden Nacht erschien Gott dem Moses und sprach zu ihm: „Moses, es ist wahr, dass ich Reiner Geist bin, aber ich habe die Liebesgabe des Hirten mit Freude empfangen, und da ich diese Milch nicht benötigte, lenkte ich das kleine, hungrige Tier dorthin, das so sehr der Nahrung bedurfte. Du hast das Tier ohne Nahrung gelassen, den Menschen ohne die Freude und den Frieden, dass Ich seine reine und demütige Gabe annehme, und Mich ohne die Liebe, die in der Geste des Mannes enthalten war.“