Es war einmal eine alte Frau, der Gott versprochen hatte, sie „heute“ zu besuchen. Als sie das hörte, zeigte sie sich keineswegs bescheiden. Sie fegte und wischte das Haus, kochte köstliche Speisen und deckte den Tisch. Dann setzte sie sich hin, um auf Gott zu warten.
Plötzlich klopfte jemand an die Tür. Sofort sprang die alte Frau auf, um zu öffnen, doch als sie sah, dass draußen nur ein armer Bettler war, sagte sie: „Nein, um Gottes willen! Geh heute, wohin du willst. Ich erwarte gerade den Herrn, ich kann dich nicht bei mir aufnehmen!“ Und sie ließ den Bettler mit leeren Händen gehen.
Nach einer Weile klopfte es wieder an der Tür. Nun öffnete die alte Frau die Tür noch schneller als beim ersten Mal. Aber wen sah sie draußen? Niemand anderen als einen zerlumpten alten Mann. „Ich erwarte heute Gott. Ich kann mich nicht um dich kümmern“, sagte sie und schlug ihm die Tür vor der Nase zu.
Einige Stunden später klopfte es erneut. Als die alte Frau zur Tür eilte, um zu öffnen, sah sie wieder einen schwachen und frierenden Bettler, der sie inständig bat, ihm ein Stück Brot und einen Schlafplatz unter ihrem Dach zu geben. „Komm schon, lass mich in Ruhe! Ich erwarte Gott! Ich kann dich nicht bei mir aufnehmen!“ Und der alte Mann musste weiterziehen, während die alte Frau sich wieder hinsetzte, um zu warten.
Die Zeit verging, Stunde um Stunde. Es wurde Abend, und Gott war immer noch nicht gekommen. Die alte Frau wurde immer besorgter. „Wo bleibt Gott nur? Oder wo hat er sich verirrt?“
Schließlich ging die alte Frau zu Bett und schlief sofort ein. Gott erschien ihr im Traum und sprach zu ihr: „Dreimal habe ich heute an die Tür deines Hauses geklopft, und dreimal hast du Mich abgewiesen.“