In einem Dorf lebte ein sehr armer Mann, der viele Kinder hatte. Er ging fort, um in einem nahegelegenen Dorf sein Brot zu verdienen. Nach einer Woche Arbeit erhielt er als Lohn für seine Mühe einen Sack Weizen. Der arme Mann freute sich, denn sieben hungrige Münder warteten zu Hause auf ihn.
Mit dem Sack auf dem Rücken, um nichts für den Transport auszugeben, ging der Arme in der sengenden Hitze und atmete schwer. Erschöpft hielt er am Straßenrand im Schatten eines Baumes an. Plötzlich sah er durch den Staub der Straße eine schöne, von vier Pferden gezogene Kutsche kommen. Im Sonnenlicht glänzten die Geschirre der Pferde und die Kleidung des Kutschers so sehr, dass es die Augen blendete. Ein Herr in teuren Kleidern saß vorn in der Kutsche.
Der Arme, geblendet von so viel Schönheit und Reichtum, schaute erstaunt zu und konnte es nicht glauben, als die Kutsche neben ihm anhielt; und der Reiche streckte seine Hand aus und sagte zu ihm: „Gib auch du mir etwas!“ „Aber ich bin arm, Herr, ich habe nichts zu geben.“ „Gib auch du mir etwas!“, sprach der Reiche erneut. Der Arme blickte ihn nachdenklich an. „Gib auch du mir etwas!“, forderte der Fremde zum dritten Mal.
Um ihn loszuwerden, band der Bedürftige den Sack auf, nahm geizig ein Korn, reichte es ihm und sagte: „Hier, nimm diesen Bissen vom Brot meiner Kinder.“ Der Reiche nahm das Korn und gab dem Kutscher ein Zeichen, weiterzufahren. Auch der Arme machte sich mit seiner Last auf den Schultern wieder auf den Weg.
Zu Hause angekommen, schüttete er die Körner aus dem Sack, um sie zur Mühle zu schicken. Doch groß war das Staunen aller, als sie in dem ausgeschütteten Haufen ein goldenes Korn glänzen sahen. Nun wurde es dem Mann im Geiste klar und er verstand, dass seine Gabe – das Weizenkorn – ihm durch den Boten Gottes tausendfach zurückgegeben worden war. „Oh! Wäre ich doch großzügiger gewesen, wie viele Goldkörner hätte ich jetzt! Warum habe ich nicht wenigstens eine Handvoll gegeben?“
Zur Zeit der Sichtung unseres Lebens wird auch das in die Waagschale gelegt, was wir hätten tun können und nicht getan haben, wie oft wir hätten helfen können und zu träge waren. Wir werden für die Nachlässigkeit zur Rechenschaft gezogen, für die Gleichgültigkeit gegenüber dem Nächsten, der in Not und Bedrängnis ist.
Der Opfergeist, das gute Verständnis für unsere Mitmenschen, die Hilfe, das Gebet für sie, all das werden Körner aus reinem und geläutertem Gold im Beutel unserer guten Taten sein. Heute braucht die Welt mehr denn je Umkehr, Verständnis, Mitgefühl und vorbildliche Modelle. Hilf uns, Herr, uns mit den Glücklichen zu freuen, mit den Betrübten zu weinen, aber mit heißen Tränen für uns selbst und für die ganze verirrte Welt zu beten! Amen!