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Gleichnis

Die Reichen und die Armen

Vor vielen, vielen hundert Jahren lebte ein mächtiger und weiser König. Eines Tages, als er durch den Hof seines Palastes spazierte, hörte er jemanden jenseits der Mauern weinen. Er befahl sogleich, die Tore zu öffnen, und ging hinaus, um zu sehen, was geschehen war.

Er traute seinen Augen nicht … Wenn in seinem Palast alle Menschen zufrieden waren und alles hatten, was sie brauchten, sah er nun, dass sich an den Toren Bedürftige versammelt hatten, die ihre Hand für ein Stück Brot ausstreckten. Direkt an der Mauer war ein Kind, das weinte. Als der König es fragte, was ihm zugestoßen sei, antwortete das Kind, dass seine Eltern krank seien und es weder Geld für Essen noch für Arzneien habe.

Währenddessen hatte sich um den König eine Menge bedürftiger Menschen versammelt, einer elender als der andere, und jeder versuchte, sein Leid zu klagen. Verärgert über diese Situation, die seine Berater ihm verschwiegen hatten, kehrte der König in den Palast zurück und rief alle Reichen zu sich. Als diese sich im Thronsaal versammelt hatten, sprach er zu ihnen:

„Ihr seid die reichsten Menschen in meinem Königreich. Ihr habt so viel Vermögen, dass jeder von euch ein Haus nur aus Gold bauen könnte. Aber wenn ihr euch auch umsehen würdet, würdet ihr sehen, dass es Menschen gibt, die vor Hunger sterben, denen es schlecht geht, weil ihr euch nicht um die Angelegenheiten der Stadt kümmert. Draußen ist es voll von Menschen, die für ein Brot arbeiten wollen, aber ihr weist sie ab. Es hängt allein von euch ab, dass es diesen Menschen besser geht. Ihr könnt ihnen helfen, und ich befehle euch, es zu tun!“

Nach einigen Tagen sah der König, dass sich nichts geändert hatte. Er rief die reichsten seiner Untertanen erneut zu sich und sprach zu ihnen:

„Ich sehe, ihr habt keine Seele! Wie könnt ihr kein Mitleid mit denen haben, die Tag für Tag mit Schwierigkeiten kämpfen?! Wenn ihr es nicht tut, dann werde ich es tun! Hört, was ich befehle: Von heute an wird für jeden Armen, der in meinem Königreich verhungert, auch ein Reicher getötet! Ab morgen werden wir uns jeden Abend treffen, und wenn ich erfahre, dass im Laufe des Tages ein Mensch in meiner Stadt verhungert ist, dann wird das Los entscheiden, welcher von euch hingerichtet wird. Denn ihr selbst macht euch des Todes jenes Menschen schuldig, da ihr ihm hättet helfen können, es aber nicht getan habt. Wir sehen uns morgen Abend!“

Man sagt, dass vom nächsten Tag an niemand mehr in jenem Königreich verhungerte!

„Beneide nicht den Ruhm des Sünders, denn du weißt nicht, wie sein Ende sein wird. (...) Denn das Gericht ist ohne Barmherzigkeit für den, der keine Barmherzigkeit geübt hat“ (Heilige Schrift).