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Gleichnis

Der Hund und die Katze

Einst saß ein Mann ruhig bei Tisch und genoss herzhaft die zubereiteten Speisen. Zu seinen Füßen setzte sich sein Hund. Der Hund blickte dem Mann in die Augen und sagte sich: „Gib, o Herr, dass mein Herr mit Appetit isst und, nachdem er satt geworden ist, auch mir ein Stückchen gibt!“

Währenddessen näherte sich auch die Katze. Sie beobachtete den Mann beim Essen, schmiegte sich an ihn und sagte sich insgeheim: „Gib, o Herr, dass mein Herr erblindet, nur für einen Augenblick, damit ich ihm das Essen stehlen kann!“

Der Hund wartete darauf, alles zu erhalten, was der Mann sich herablassen würde, ihm zu geben, denn er kannte die Güte seines Herrn. Die Katze aber lauerte auf jeden Moment, in dem sie stehlen konnte, da die Gier sie dazu trieb, sich nicht mit dem zufriedenzugeben, was sie bekommen hätte.

So ist es auch im Leben. Einige der Freunde, die uns umgeben, sind wie der Hund, das heißt, treu und ergeben, geduldig und aufrichtig. Andere jedoch sind wie die Katze: stets mit einem Lächeln auf den Lippen, aber immer mit Bosheit in der Seele, und sie warten nur auf die Gelegenheit, zu stehlen und von dir zu profitieren.

Wenn du wahre Freunde um dich hast, freue dich über sie und über eure Freundschaft; wenn du aber siehst, dass sich dir auch solche nähern, die der Katze gleichen, so jage sie nicht fort und behandle sie nicht, wie sie es verdienen würden, sondern bete für sie und versuche, sie durch deine Güte auch besser zu machen. „Leidest du unter einem bösen Menschen? Vergib ihm, damit es nicht zwei böse Menschen gibt!“ (Der selige Augustinus)