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Gleichnis

Der Streit zwischen den Brüdern

Zwei Brüder, die auf benachbarten Höfen lebten, hatten einen Streit. Der Konflikt begann mit einem kleinen Missverständnis und spitzte sich zu, bis es zu einer Spaltung zwischen den beiden kam. Alles gipfelte in einem Wortwechsel mit harten Worten, gefolgt von wochenlangem Schweigen.

Eines Morgens klopfte jemand an die Tür des älteren Bruders. Als er die Tür öffnete, sah er einen Mann mit Zimmermannswerkzeug. „Ich suche Arbeit für ein paar Tage“, sagte der Fremde. „Vielleicht haben Sie hier auf dem Hof ein paar kleine Reparaturen nötig, ich könnte Ihnen helfen.“

„Ja“, sagte der ältere Bruder. „Ich habe etwas Arbeit für dich. Sieh mal dort, auf der anderen Seite des Flusses, wohnt mein Nachbar. Nun ja, eigentlich ist es mein jüngerer Bruder. Ich will einen zwei Meter hohen Zaun bauen, ich will ihn nicht mehr sehen. Ich gehe aufs Feld zu meiner Arbeit, aber ich möchte, dass er fertig ist, wenn ich heute Abend zurückkomme, wenn es möglich ist.“

Der Zimmermann arbeitete hart, maß, sägte und schlug Nägel ein. Kurz vor Sonnenuntergang, als der ältere Bruder vom Feld zurückkam, hatte der Zimmermann seine Arbeit gerade beendet. Überrascht von dem, was er sah, machte der Bauer große Augen und blieb mit offenem Mund stehen. Es war keineswegs ein zwei Meter hoher Zaun. An seiner Stelle stand eine Brücke, die die beiden Höfe über den Fluss verband.

Genau in diesem Moment kam sein Nachbar, der jüngere Bruder, von seinem Haus herüber und, überwältigt von dem, was er sah, umarmte er seinen älteren Bruder und sagte zu ihm: „Du bist ein besonderer Mensch, dass du daran denkst, eine so schöne Brücke zu bauen, nach allem, was ich dir gesagt und angetan habe! Vergib mir, Bruder!“ Und sie vergaben einander.

Als der Zimmermann seine Arbeit beendet sah, begann er, seine Werkzeuge einzusammeln, um seiner Wege zu gehen. „Warte, bleib“, sagte ihm der ältere Bruder. „Bleib noch ein paar Tage. Ich habe viel Arbeit für dich.“

„Ich würde gerne bleiben“, sagte der Zimmermann, „aber ich habe noch viele Brücken zu bauen…“.

Der Große Baumeister ist Christus – Derjenige, der Brücken zwischen den Brüdern schlägt, aber auch jeder von uns kann Ihm durch ein schönes Verhalten, mit Gebet und rechtem Urteilsvermögen ähnlich werden. Wir sind berufen, durch Tugend zur Gottähnlichkeit zu gelangen!