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Gleichnis

Die sechs Bürger

Im Jahr 1347 belagerte das Heer des englischen Königs Eduard die französische Stadt Calais. Um die Stadt herum verhinderte eine tödliche Absperrung jeglichen Kontakt mit der Außenwelt. Infolgedessen brach sofort eine schreckliche Hungersnot aus. Zuerst starben die Alten, dann die Säuglinge.

Schließlich wurden auch die starken Männer so schwach, dass niemand mehr an einen siegreichen Gegenschlag denken konnte. Da verlangte ein Bote des Königs, in die Stadt eingelassen zu werden. Er teilte dem Stadtpräfekten die Absicht des Königs mit: „In den nächsten drei Tagen beabsichtigt der König, in die Stadt einzufallen und sie niederzubrennen. Ihr werdet alle sterben: Männer, Frauen, Kinder.“

Die Einwohner der Stadt fragten ihn: „Gibt es denn gar keinen Ausweg?“ „Doch“, antwortete der Bote. „Wenn sechs eurer vornehmsten Männer bereit sind, für euch zu sterben, dann werdet ihr gerettet werden. Sie müssen sich morgen früh im Lager des englischen Heeres einfinden. Sie sollen nichts an den Füßen tragen, nur mit einem Hemd bekleidet sein und einen Strick um den Hals gebunden haben.“

Die schreckliche Nachricht verbreitete sich in der ganzen Stadt. Alle 10.000 Einwohner dachten nur an sich selbst. Aber sechs der vornehmsten Männer sagten: „Wir haben immer versucht, den Menschen dieser Stadt treu mit unserer Kraft und unseren Talenten zu dienen. Jetzt sind wir bereit, unser Leben für die ganze Stadt zu geben.“ Die Bürger der Stadt knieten weinend nieder und beteten für diese Freiwilligen.

Am nächsten Morgen gingen die sechs in das Lager des Königs. Er blickte mit Verachtung auf sie. In ihrer Nähe stand bereits ein Henker mit dem Schwert in der Hand bereit, um sie zu enthaupten. Da kam die Königin, warf sich dem König zu Füßen und legte für diese Männer Fürsprache ein: „Schone diese Stadt und diese Männer, denn sie waren bereit, ihr Leben für die anderen zu geben.“ Nach langem Zögern änderte der König seinen Sinn. Er verschonte die Stadt und das Leben dieser sechs Freiwilligen.