Einst kamen einige Philosophen zum heiligen Makarios in die Wüste, um zu sehen, warum so viele Menschen herbeieilten, um sein weises Wort zu hören. Anscheinend waren sie etwas neidisch, weil sich die Leute um sie nicht sonderlich drängten. Als sie in der Wüste ankamen, fanden sie einen ärmlich gekleideten alten Mann, dessen Worte rein, aber kunstvoll waren. Das gefiel den Philosophen nicht sonderlich.
Und sie begannen, ihn zu fragen: „Makarios, hast du dieses oder jenes Buch gelesen?“ „Ich habe es nicht gelesen“, antwortete Makarios. „Aber weißt du, was dieser oder jener Gelehrte über die Welt und anderes gesagt hat?“ Auch darauf antwortete Makarios, dass er es nicht wisse. Sie aber fragten ihn weiter, in der Absicht, ihn zu beschämen.
Da erriet Makarios ihre Gedanken und sagte zu ihnen: „Ich bitte euch, erlaubt mir, euch auch etwas zu fragen.“ „Frage, Vater“, antworteten sie fröhlich. „Seid so gut und sagt mir, was war zuerst da: der Verstand oder das Buch?“ Nach einer kurzen Weile antworteten sie, etwas verwirrt über den Sinn der Frage: „Natürlich war der Verstand zuerst da!“ „Seid nicht böse“, antwortete Makarios, „denn ich besitze das, was zuerst da war: den Verstand.“
Da verstanden die Philosophen, dass jeder Mensch, wenn er die Gabe des von Gott gegebenen Verstandes gebraucht, weise sein kann, mit oder ohne viel Bücherwissen.