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Gleichnis

Die zwei Ruder

Vor langer Zeit lebte ein alter, gottesfürchtiger Mann, der seinen Lebensunterhalt damit verdiente, Reisende mit seinem Boot von einem Ufer eines Flusses zum anderen zu bringen.

Eines Tages, als der Alte einen jungen Mann mit dem Boot übersetzte, bemerkte dieser, dass auf jedem Ruder etwas geschrieben stand und fragte: „Warum hast du auf das eine Ruder ‚Glaube‘ geschrieben und auf das andere ‚gute Taten‘?“

„Weil diese beiden mich im Leben leiten“, antwortete der alte Mann.

„Ich glaube nicht, dass der Mensch beide braucht“, sagte der junge Mann kühn. „Es genügt nur eines, nach dem du dein Leben ausrichtest: Wenn du gute Taten vollbringst, bist du den anderen nützlich, wenn du Glauben hast, bist du dir selbst nützlich.“

Der alte Mann sagte nichts, sondern begann, nur mit einem einzigen Ruder zu rudern. Das Boot kam kein Stück voran und drehte sich nur im Kreis.

Auf diese Weise verstand der junge Mann, was der Mann sagen wollte: dass derjenige mit einer reinen Seele, das heißt, vom Glauben erleuchtet, auch ein reines Leben führen wird, das heißt, erfüllt von den Früchten der Güte und der christlichen Barmherzigkeit. Wie die Seele des Menschen ist, so ist auch sein Leben. Glaube ohne Güte ist nichts als Heuchelei. Der wahrhaft Gläubige liebt Gott, indem er die Menschen liebt.

Gute Taten und Glaube sind die beiden Flügel, mit deren Hilfe sich unsere Seele zu Gott erhebt. Mit nur einem Flügel kann man nicht fliegen!

„In den Taten zeigt sich der Glaube. Glaube ohne Taten existiert nicht“ (Heiliger Simeon der Neue Theologe).