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Gleichnis

Wer ist gerecht vor Gott?

Einst fragte ein Mann einen alten Mönch: – Vater, wer ist gerecht vor Gott? Ich habe von einem großen Wunder erzählen gehört: Ein Mann, der fliegen konnte, der sich von selbst in die Lüfte erheben konnte. Ist das ein Zeichen, dass er gerecht vor Gott ist, so wie die Heiligen? – Nein, mein Sohn, keineswegs! – Aber ich habe auch von einem Mann erzählen gehört, der auf dem Wasser gehen konnte. Ist dieser gerecht vor Gott? – Auch dieser nicht? – Aber wer ist dann gerecht? – Gerecht ist der, der sein Leben in Stille, im Glauben und in der Furcht Gottes führt. Wenn Gott gewollt hätte, dass wir fliegen, dann hätte er uns Flügel gegeben. Unsere Bestimmung ist es, gute Christen zu sein. Um heilig zu sein, musst du dich nicht mit dem Körper in die Lüfte erheben; nur deine Seele soll sich durch Gebete und gute Taten zum Himmel erheben. Du musst auch nicht auf dem Wasser gehen; aber deine Seele soll immer über den Sünden bleiben und nicht in ihnen versinken. Nur so, mit einer reinen Seele, kannst du ein reines Leben führen. Nur so kannst du dich einen guten Christen nennen und auf die Erlösung hoffen. Der Mensch mit reinem Herzen wird also an seinem stillen Leben und seinem maßvollen Wandel zu erkennen sein. Ein solcher Mensch ist gerecht sowohl vor den Menschen als auch vor Gott. „Wir ehren die Heiligen, indem wir sie nachahmen“ – Heiliger Johannes Chrysostomos.