Es war einmal ein armer Schuster, der immer fröhlich war. Er schien so glücklich, dass er von morgens bis abends vor Freude sang. Immer versammelten sich viele Kinder am Fenster seines Hauses und lauschten ihm aufmerksam. Manchmal kamen auch die Vögelchen herbei, um ihm zuzuhören.
Neben ihm wohnte ein reicher Mann. Dieser schlief die ganze Nacht nicht, denn er zählte stets seine Goldstücke. Erst am Morgen ging er zu Bett. Tagsüber aber konnte er nicht schlafen, weil er den Schuster singen hörte, und der Neid zerfraß ihn, da er sich nicht vorstellen konnte, wie ein armer Schlucker fröhlich sein kann.
Eines Tages kam ihm eine Idee, ein listiger Gedanke flüsterte ihm ins Ohr, wie er den Schuster vom Singen abbringen könne. Er lud ihn zu sich ein und schenkte dem Armen zu dessen großer Überraschung einen Beutel mit Goldstücken.
Als der Schuster nach Hause kam, öffnete er den Beutel. Noch nie hatte er so viele Goldstücke gesehen. Er begann, sie sorgfältig zu zählen, und die Kinder sahen ihm aufmerksam zu. Es waren so viele, dass der Schuster nun Angst hatte, jemand könnte sie ihm stehlen. Deshalb nahm er sie nachts mit ins Bett. Aber auch dort dachte er an sie und konnte nicht einschlafen. Dann brachte er den Beutel mit den Goldstücken auf den Dachboden, aber auch mit diesem Ort war er nicht sicher. Früh am Morgen stand er auf, nahm die Goldstücke und brachte sie in den Hühnerstall. Aber auch mit diesem Ort war er nicht sehr zufrieden und nach einiger Zeit grub er ein Loch und vergrub den Beutel mit den Goldstücken in der Erde.
Da er sich nun reich wusste, schlief er nicht mehr, arbeitete nicht mehr und sang auch nicht mehr, sondern seine Gedanken kreisten ständig um seinen Schatz. Aus diesem Grund war er unruhig, blass und von Sorgen geplagt. Weder die Vögelchen noch die Kinder kamen ihn mehr besuchen. So war der Schuster sehr unglücklich geworden.
Was sollte er tun? Eines Tages nahm der Schuster den Beutel mit den Goldstücken und brachte ihn dem Reichen zurück. „Nimm bitte die Goldstücke zurück“, sagte er. „Die Sorgen um sie haben mich krank gemacht und auch meine Freunde wollen nichts mehr von mir wissen. Ich will wieder ein armer Schuster sein, so wie ich es früher war.“
Von da an zog das Glück wieder in das Haus des Schusters ein.