Ein Engel fand im Himmel keine Ruhe wegen der Qualen der Sünder in der Hölle und stieg oft hinab, um sie zu bitten, sich an das Gute zu erinnern, das sie im Leben getan hatten.
„Vielleicht habt ihr doch eine noch so kleine gute Tat vollbracht! Versucht, euch zu erinnern!“, flehte er die Sünder an.
Schließlich erinnerte sich eine Frau: „Ich! Ich habe einem Bettler eine Zwiebelschale gegeben! Ist das keine gute Tat?“
„Natürlich ist es das!“, freute sich der Engel. Dann eilte er zu den Archiven des Himmels und überprüfte die Geschichte mit der Zwiebel. Er brachte die Zwiebelschale in die Hölle und sagte zu der Frau: „Halte dich gut an der Zwiebelschale fest! Ich werde das andere Ende ergreifen, und gemeinsam werden wir nach oben fliegen. So wirst du in den Himmel gelangen!“
Gesagt, getan. Die Zwiebelschale hielt stand und riss nicht unter dem Gewicht der Frau. Aber andere Sünder bekamen davon Wind und klammerten sich sogleich an die Füße der Frau, um so ebenfalls aus der Hölle zu entkommen. Eine ganze Schar von Menschen hing an ihren Füßen und Kleidern, und die Zwiebelschale hielt stand, ohne zu reißen. Sie alle flogen dem Himmel entgegen.
Als die Frau nach unten blickte und die Menschenmenge sah, bekam sie Angst, dass die Zwiebel reißen und sie hinabstürzen würde. So begann sie, die anderen mit dem Fuß wegzustoßen, um sie loszuwerden, und sagte zu ihnen: „Bleibt ihr dort in der Hölle, ihr Sünder! Denn ihr habt nichts Gutes getan!“
In diesem Augenblick riss die Zwiebelschale, und alle fielen in die Hölle. Sie, die Sünderin, hatte andere Sünder gerichtet. Richte niemals, o Mensch, deine Mitmenschen! Und versäume nicht deine letzte positive Chance wegen Egoismus, Dummheit, Angst oder Unglauben.