Nach einem langen, unter Helden verbrachten Leben, gelangte ein edler Krieger ins Jenseits und wurde ins Paradies geschickt. Da er aber ein sehr neugieriger Mensch war, bat er darum, zuerst einen Blick in die Hölle werfen zu dürfen. Ein Engel erfüllte ihm diesen Wunsch und führte ihn in die Hölle.
Dort fand er sich in einem riesigen Saal wieder, in dessen Mitte ein Tisch stand, beladen mit Tellern, die einer üppiger als der andere mit sättigenden Speisen und unvorstellbaren Köstlichkeiten gefüllt waren. Die Tischgäste, die ringsum saßen, waren jedoch mager, blass und so knochig, dass es einem beim Anblick das Herz zerreißen konnte. Sie litten schrecklich!
„Wie ist das möglich?“, fragte unser Krieger seinen Führer. „Wie können sie so mager sein bei all den Köstlichkeiten, die sie vor sich haben?“
„Siehst du, wenn sie hier ankommen, erhält jeder einen Holzlöffel, wie man ihn gewöhnlich zum Essen benutzt, mit dem einzigen Unterschied, dass diese über einen Meter lang sind und unbedingt am Ende gehalten werden müssen. Nur so dürfen sie das Essen zum Mund führen.“
Unser Krieger schauderte. Die Strafe dieser Unglücklichen war furchtbar, denn so sehr sie sich auch bemühten, es gelang ihnen nicht, auch nur einen einzigen Krümel in den Mund zu bekommen. Er wollte nichts mehr sehen und bat darum, sogleich ins Paradies gebracht zu werden.
Hier erlebte er eine Überraschung. Das Paradies war ein Saal, der absolut identisch mit der Hölle war. Auch dort gab es einen riesigen Tisch mit vielen Menschen ringsum und ebenso vielen köstlichen Speisen, die darauf aufgereiht waren. Mehr noch, alle Tischgäste hielten dieselben sehr langen Löffel von über einem Meter in der Hand, die sie am Ende fassen mussten, um das Essen zum Mund zu führen. Es gab jedoch einen einzigen Unterschied: Die Menschen um den Tisch waren hier voller Fröhlichkeit, gut genährt und strahlten vor Freude.
„Aber wie ist das möglich?“, fragte unser Krieger.
Der Engel antwortete lächelnd: „In der Hölle müht sich jeder ab, das Essen zu nehmen und es zum eigenen Mund zu führen, so wie er es sein Leben lang immer getan hat. Hier aber nimmt jeder das Essen mit dem langen Löffel und bemüht sich, es zum Mund seines Nächsten zu führen.“
Paradies und Hölle stehen dir gleichermaßen zur Verfügung, sogar heute, in der Bosheit und dem Egoismus der heutigen Gesellschaft. (ACHTUNG! Diese kleine Geschichte ist nur ein Gleichnis. In Wirklichkeit hat das Paradies ein völlig anderes Aussehen als die Hölle, es ist nicht identisch mit der Hölle, wie in diesem Gleichnis!).