Zum Inhalt springen

Gleichnis

Über Mut und Freundschaft

Zwei Freunde wanderten gemeinsam auf einem Weg, der durch einen finsteren und gefahrenvollen Wald führte. Plötzlich erschien ein riesiger, wütender Bär vor den beiden. Von Furcht ergriffen, kletterte einer von ihnen auf einen Baum und versteckte sich, der andere jedoch war nicht schnell genug und erkannte, dass er dem furchterregenden Tier nicht entkommen konnte. So warf er sich zu Boden und stellte sich tot. Er wusste genau, dass Bären kein Aas anrühren.

Als der Bär näherkam, beschnupperte er ihn, brummte ihm ins Ohr und versuchte, ihn mit der Schnauze zu bewegen. Der arme Mann bemühte sich mit aller Kraft, den Atem anzuhalten. Der Bär hielt ihn tatsächlich für tot und entfernte sich.

Sobald er sah, dass der Bär zwischen den Bäumen verschwunden war, stieg der andere von dem Baum herab, auf den er geklettert war, und fragte seinen Freund: „Was hat dir der Bär ins Ohr geflüstert?“ „Er hat mir gesagt, ich solle nicht mehr mit bestimmten Freunden reisen, die, wenn Gefahr droht, anstatt mir zu helfen, so schnell davonlaufen, wie ihre Füße sie tragen.“

Wir werden für alle unausgesprochenen Worte, für alle gesprochenen Gemeinheiten, für alle aufgegebenen Träume zur Verantwortung gezogen werden. Wir werden Rechenschaft ablegen müssen für die Angst und den Geiz, die uns daran gehindert haben zu lieben, für die Blindheit und den Stolz, die unsere Umarmungen erstickt haben. Wir werden Rechenschaft ablegen müssen für alle unvollbrachten Gesten, für alle hinuntergeschluckten Tränen, für alle nicht eingehaltenen Versprechen und für all die verlorene Zeit. Wir werden antworten und Rechenschaft ablegen vor Gott!