Der heilige Antonius fragte seine Schüler, als er mit ihnen war:
– Was ist das Wichtigste für das Heil? Die Schüler antworten ihm:
– Das Gebet.
– Nein, antwortet der heilige Antonius. Dann fuhren die Schüler fort, die Taten aufzuzählen, die sie für wichtiger hielten: Das Fasten, die Nachtwache, die Demut, die Pflege der Armen und Kranken, die Aufnahme von Fremden, die Barmherzigkeit, die Menschenliebe, worauf sie die Antwort erhielten: Das ist nicht wahr!
Dann sagte der heilige Antonius zu ihnen:
– Das Wichtigste ist die rechte Urteilskraft (das Unterscheidungsvermögen). Alle oben genannten Taten müssen getan werden, aber mit rechter Urteilskraft.
Und er sprach wiederum: Es gibt einige, die ihren Körper durch Askese aufgerieben haben, und weil sie keine rechte Urteilskraft besaßen, haben sie sich von Gott entfernt. Sehr oft vollbringen wir bestimmte geistliche Anstrengungen, aber weil sie ohne rechte Urteilskraft sind, können sie vom Stolz, von der Selbstliebe, von der eitlen Ruhmsucht, von der Frömmelei, von der Verachtung gegenüber denen, die nicht tun können, was wir tun, und so weiter berührt werden.
Hilf uns, Herr, die rechte Urteilskraft und die Einfachheit des Geistes und unserer Taten zu erlangen, damit nichts von dem, was wir tun oder tun werden, uns in unserem Geist auf die eine oder andere Weise über unsere Mitmenschen erhebt! Immer wenn es uns gelingt, etwas zu tun, lasst uns fest daran glauben, dass wir getan haben, was wir zu tun schuldig waren. Wir sollten für keine vollbrachte Tat irgendeine Belohnung von unseren Mitmenschen und nicht einmal von Gott erwarten, sondern es sollen nur die natürlichen Taten unseres Wesens sein, das mit Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes, vereint ist. Amen!