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Gleichnis

Von dem Wasserkrug, der immer wertvoller wurde

Vor vielen Jahren herrschte einst eine große Dürre auf der Erde: Alle Flüsse und Brunnen versiegten, alle Bäume, Sträucher und Weiden verdorrten, und Menschen und Tiere starben vor Durst. Eines Nachts verließ ein kleines Mädchen sein Zuhause mit einem Wasserkrug in der Hand, um Wasser für seine kranke Mutter zu suchen.

Das Mädchen fand nirgendwo Wasser und legte sich vor Müdigkeit ins Gras und schlief ein. Als es aufwachte und nach dem Krug sah, war dieser fast voll mit klarem, frischem Wasser. Das Mädchen freute sich und wollte trinken, dachte aber, dass dann nicht mehr genug für seine Mutter übrigbleiben würde, und lief mit dem Krug nach Hause.

Es hatte es so eilig, dass es nicht bemerkte, wie ein kleiner Hund vor seine Füße lief. Es stolperte und fiel hin, und der Hund winselte vor Schmerz. Das Mädchen griff nach dem Krug. Es dachte, das Wasser sei verschüttet worden. Aber nein! Der Krug stand aufrecht auf dem Boden, und kein einziger Tropfen war verschüttet. Da goss das Mädchen ein wenig Wasser in seine hohle Hand und reichte es dem Hündchen. Dieses leckte es auf und wurde wieder fröhlich.

Das Mädchen nahm den Krug wieder in die Hand, und siehe da, er war nicht mehr aus Holz, sondern aus Silber. Das Mädchen lief nach Hause und reichte ihn seiner Mutter. Die Mutter sagte zu ihm: „Ich muss ohnehin sterben, trink du!“ Sie gab den Krug dem Mädchen. Im selben Augenblick verwandelte sich der Silberkrug in einen goldenen.

Da konnte das Mädchen nicht lange widerstehen und führte den Krug an seine Lippen, als ein Wanderer das Zimmer betrat und um einen Schluck Wasser bat. Das Mädchen nahm den Krug vom Mund und gab ihn ihm. Und siehe da, auf dem Krug erschienen plötzlich sieben große Diamanten, und aus jedem entsprang eine Quelle klaren, frischen Wassers.