Zwietracht war zwischen zwei Brüder geraten. In ihrer Kindheit eng verbunden, verfeindeten sie sich nun nach dem Tod ihres Vaters wegen eines kleinen Stücks Land. Ihre Herzen verhärteten sich, und aus ihrem Mund kamen verletzende Worte.
Einer von ihnen ging zum Dorfpriester und erzählte ihm von seinem Leid, indem er sagte: „Dieses Stück Land gehört mir; mein Bruder aber will es mir entreißen, doch ich werde es niemals dulden, meiner Rechte beraubt zu werden.“
Der Priester aber sprach: „Welchen Ertrag kann dir dieses Stück Land bringen?“ „Dreißig Lei im Jahr!“ „Was kannst du dir mit diesem Geld kaufen? Ein Gewand, ein Möbelstück oder vielleicht einen Hektar Weizen? Zweifellos! Oder du könntest dir mit diesem Geld etwas Wertvolleres kaufen. Nun gut und…? Wenn du dir mit diesem Geld“, so der Priester weiter, „die Liebe eines Freundes sichern könntest, der dir in Zeiten der Not zu Hilfe käme, der zu dir käme und an deinem Herd säße, abends im Winter; der dir beim Mähen, beim Ernten, beim Einbringen der Feldfrüchte und des Heus helfen würde; der deine Kinder lieben, sich an ihnen erfreuen und in deiner Abwesenheit für sie sorgen würde; wäre dies nicht von geringerem Wert als die dreißig Lei?“
„Was wollt Ihr damit sagen, Vater?“, fragte der Mann. „Ich will sagen, mein Sohn, dass du, um dreißig Lei zu gewinnen, etwas verlierst, das einen weitaus größeren Wert hat: Du verlierst einen Bruder, der dein Freund war, dein Gefährte in deiner Kindheit, der von derselben Mutter in den Armen getragen und an die Brust gedrückt und mit derselben Milch genährt wurde wie du. Ich will sagen, dass du, um dreißig Lei zu gewinnen, die Freude und den Frieden deiner Seele verlierst.“
„Das ist wahr, Vater, aber was kann ich tun?“ „Ich werde mit deinem Bruder sprechen“, sagte der Priester, „und ich glaube, es wird sich ein Weg für eure Versöhnung finden lassen.“
Tatsächlich ging der gute Priester zu dessen Bruder und sprach zu ihm in fast denselben Worten. Und als er ihn bewegt, erschüttert und von seinen Worten gebrochen sah, sprach er zu ihm von seiner alten Mutter und von seinem Vater, die nicht mehr am Leben waren. „Willst du die Seele deiner Mutter im Alter betrüben? Was würde dein Vater sagen, wenn er ins Leben zurückkehren und den Streit seiner Kinder sehen könnte? Hass und Feindschaft zwischen Brüdern sind der Schmerz der Eltern.“
Die Augen des Bauern füllten sich mit Tränen. Er lief zu seinem Bruder und umarmte ihn, und beide, ihre Feindseligkeit und ihre Traurigkeit vergessend, baten den guten Priester, er möge ihren Streit entscheiden, wie er es für am besten hielte, was Seine Ehrwürden auch ohne jede Schwierigkeit tat. So brachte ein weises Wort Frieden und Glück in zwei verfeindete brüderliche Herzen.