In Griechenland trafen sich einst drei ehemalige Schulkameraden. Einer war Berater des Präsidenten geworden, ein anderer Lehrer und der dritte Gärtner.
Als sie sich zusammensetzten, um miteinander zu reden, kamen sie auch auf die Wünsche zu sprechen, die sie für dieses Leben hatten, und selbst sie stellten fest, dass sie immerzu Wünsche für den nächsten Tag hatten, denn sie waren schon in die Jahre gekommen und jeder Tag erschien ihnen wie ein besonderes Geschenk.
„Ich wünsche mir für den morgigen Tag“, sagte der Berater, „eine Porzellantasse voller köstlichen Tees und ein schnelles, schönes Pferd. Nichts weiter wünsche ich mir.“
„Ich“, sagte der Lehrer, „wünsche mir eine Tasse voller geschmolzener Schokolade und gute Augen, um ein gutes Buch lesen zu können.“
„Und ich“, sagte der Gärtner, „wünsche mir für den morgigen Tag, dass die Sonne aufgeht wie bisher, dass die Quelle, aus der ich täglich trinke, nicht versiegt und dass die Vögel in den Bäumen, von deren Früchten ich mich nähre, singen.“
In jener Nacht ereignete sich in Griechenland ein großes Erdbeben. Als der Berater am nächsten Tag seinen Tee trinken wollte, konnte er es nicht, denn die Porzellantasse lag zerbrochen am Boden. Und als er auf das schöne, schnelle Pferd steigen wollte, konnte er es nicht, denn die Mauern waren eingestürzt und das Pferd war gestorben.
Dem Lehrer erging es ebenso. Als er die geschmolzene Schokolade trinken wollte, konnte er es nicht, weil die Tasse zerbrochen war. Als er ein Buch lesen wollte, konnte er es nicht, denn die Bibliothek war eingestürzt und alle Bücher hatten Feuer gefangen.
Nur dem Gärtner erging es anders. Als er aufwachte, ging die Sonne auf, wie er es sich gewünscht hatte. Als er zur Quelle ging, um Wasser zu trinken, floss sie noch immer, und als er in den Garten ging, fand er die Apfel- und Birnbäume noch stehend vor, und in ihren Zweigen sangen die Vögel wie zuvor.
Deshalb sagt ein Sprichwort: „Wer sich für den nächsten Tag das Geringste und das Gott Wohlgefälligste wünscht, der wird der Glücklichste sein.“