Man erzählt sich, dass einst ein Mann durch eine Wüste ging. Er war völlig erschöpft; er hatte seit mehreren Tagen nichts gegessen, hatte kein Wasser mehr, und die starke Sonne sengte ihn mit ihren feurigen Strahlen. Außer der endlosen Weite des glühenden Sandes waren nur die Spuren des Mannes zu sehen, die Spuren seiner Schritte.
Plötzlich jedoch bemerkte der Mann, dass neben ihm weitere Spuren auftauchten, als ob noch jemand da wäre, eine Person, die mit ihm ging und deren Spuren er neben den seinen sehen konnte. Erschrocken rief er: „Warum sind vier Spuren im Sand, obwohl ich allein bin? Wer bist du, und warum sehe ich dich nicht?“
Aber eine Stimme antwortete ihm: „Ich bin Gott! Du bist nicht allein, denn Ich gehe an deiner Seite. So wirst du vor allem Bösen beschützt und sicher ans Ziel gelangen!“
Der Mann fiel auf die Knie und dankte dem Herrn, dass Er sich seiner erbarmt hatte, und setzte dann seinen Weg fort, überzeugt, dass er es nun schaffen würde. Und er ging und ging, bis er schließlich spürte, dass er nicht einmal mehr einen Schritt machen konnte.
Auf die Knie gesunken, blickte er zurück und … was musste er sehen? Im Sand waren nur die Spuren seiner eigenen Schritte zu sehen.
„Herr“, sagte der Mann bekümmert, „warum hast du mich verlassen, warum sind nur zwei Spuren im Sand?!“
Doch dieselbe Stimme antwortete ihm sanft: „Weil Ich dich bis jetzt in meinen Armen getragen habe.“
Plötzlich spürte unser Mann etwas Kaltes, sehr Kaltes, und öffnete die Augen. Er hatte geträumt. Überwältigt von Erschöpfung, erhitzt vom Sonnenlicht, war er am Ende seiner Kräfte in den Sand gefallen. Aber während seines Schlafes war er von einer Karawane gefunden worden. Einige Kaufleute hatten ihn aufgehoben und mit Wasser bespritzt. Als er das kalte Wasser auf seinem Gesicht spürte, erwachte er und erinnerte sich an seinen Traum.
„Gepriesen sei der Herr!“, rief der Mann. „Wie habt ihr mich gefunden?“
„Wir haben Spuren im Sand gesehen und gemerkt, dass sich jemand verirrt hatte. Es waren tatsächlich deine Spuren.“
„Ihr glaubt, dass meine Spuren euch hierhergeführt haben? Nein, Gott, der sich meines Leidens erbarmt hat, Er hat eure Schritte zu mir gelenkt, sonst wäre ich gestorben.“
Es gibt Menschen, die nicht sehen, dass Gott für sie sorgt. Sie sehen nicht, dass der Herr aus Liebe stets versucht, ihnen zu helfen. Sie vergessen das Heilige und Gott, aber Gott vergisst sie niemals.
Selig sind jene, die sehen, dass alles – die Gesundheit, die Arbeitskraft, das Glück – von Gott abhängt und dass wir nur durch Seine Macht erlöst werden können. Selig sind jene, die stets auf die Hilfe des Herrn vertrauen.
„Auch wenn wir uns manchmal von Gott entfernen, bleibt Gott uns immer nahe“ (Heiliger Johannes Chrysostomus).