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Gleichnis

Elternliebe ohne Urteilsvermögen

Ein alter Mann, der im Laufe seines Lebens ein beachtliches Vermögen angesammelt hatte, dachte sich, er wolle es noch zu Lebzeiten unter seinen Kindern aufteilen. Dabei zählte er natürlich auf ihre kindliche Liebe und darauf, dass sie sich bis zu seinem Tod um ihn kümmern würden. Nachdem sie jedoch den gesamten Besitz in ihre Hände bekommen hatten, nahmen sie den alten Mann, sperrten ihn in das dunkelste, schlechteste und übelriechendste Zimmer und gaben ihm von Zeit zu Zeit eine Schüssel Essen.

Was dachte sich der alte Mann da? Er zimmerte sich eine Kiste, die er unter sein Bett schob. Er ging zu einem befreundeten Nachbarn, dem er schmerzerfüllt erzählte, wie ihn seine Kinder behandelten, nachdem er ihnen alles gegeben hatte, und bat ihn: „Leih mir 200 kg Silber in Münzen, und morgen bringe ich sie dir zurück.“ Der Nachbar lieh ihm das Geld. Der alte Mann kam nach Hause und begann mit großem Lärm, seine Silbermünzen zu zählen, damit seine Söhne, die im selben Haus wohnten, es hören konnten. Sie schauten durch das Schlüsselloch und sahen, dass der alte Mann sehr viel Geld hatte. Sie sahen auch, wie er es in jene Kiste legte, sie verschloss und unter das Bett schob.

Von diesem Tag an verwandelten sich die Seelen der Kinder wie durch ein Wunder. Sie erinnerten sich daran, dass der alte Mann ihr Vater war, und begannen, ihn mit größter Sorgfalt zu behandeln. Nun hofften sie, zusätzlich zu dem, was sie bereits erhalten hatten, auch das Geld zu bekommen, und dafür mussten sie sich die Gunst des alten Mannes verdienen.

Tatsächlich aber hatte der alte Mann das Geld schon am nächsten Tag seinem Freund zurückgebracht. Einige Monate später lieh er es sich erneut für einen Tag und machte wieder Lärm damit. Die Kinder wurden ihm gegenüber noch aufmerksamer.

Eines Tages starb der alte Vater, nachdem er in den letzten Jahren seines Lebens ihre Aufmerksamkeit genossen hatte. Sie beschlossen, das Öffnen der Schatztruhe bis nach der Beerdigung aufzuschieben, wenn sie allein und alle anwesend sein würden. Sie beerdigten ihn mit Freude, und als sie nach Hause kamen, suchten sie die Schlüssel, fanden sie und schlossen die Kiste auf.

In der Kiste fanden sie jedoch nur einen Stock, an den ein Zettel gebunden war, auf dem stand: „Mit einem Stock wie diesem soll der Vater geschlagen werden, der sein Vermögen vor der Zeit seinen (schlechten, falschen, gierigen, gefühllosen und undankbaren) Söhnen gibt.“