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Gleichnis

Rechtes Urteilsvermögen, eine Seltenheit!

Nach dem Gottesdienst trat ein junger Mann an den Priester heran und fragte ihn: „Vater, geben Sie mir Ihren Segen, morgen mit meinen Kollegen ins Kino zu gehen? Ich habe meine Prüfungszeit beendet und möchte mich ein wenig entspannen.“

„Was für einen Film wollt ihr euch ansehen?“

„Eine Science-Fiction-Komödie.“

„Wenn du unbedingt gehen möchtest, dann geh.“

Der junge Mann entfernte sich. Der Kirchendiener, der in seiner Jugend Klosterbruder gewesen war, ärgerte sich, als er die Worte des Priesters hörte: „Ach, Vater, wie könnt Ihr ihn seine Zeit verschwenden lassen?“

„Das ist nicht deine Sache.“

„Dennoch, fürchtet Ihr Gott nicht?“

„Nicht du bist sein Beichtvater, sondern ich. Seit einigen Monaten kommt er in die Kirche und wird immer eifriger. Er darf den Glauben nicht als ein erstickendes Joch ansehen. Er muss jede Stufe erklimmen, er kann nicht direkt ans Ende des Weges gelangen. In ein paar Jahren oder vielleicht sogar in ein paar Monaten wird er vielleicht freiwillig darauf verzichten, solche Filme anzusehen. Es wird ihm mehr nützen, wenn er die nächste Stufe zur richtigen Zeit erklimmt, nicht, wenn ich es ihm aufzwinge.“

„Ich verstehe Euch nicht.“

„Schau, ich gebe dir ein Beispiel. Hörst du zu Hause religiöse Musik?“

„Ja, natürlich. Manchmal höre ich so lange, bis ich den Kassettenrekorder überlaste.“

„Darauf wollte ich hinaus. Und stellst du dann noch Musik an?“

„Nein, damit ich ihn nicht kaputt mache.“

„So ist es auch mit der Seele. Wie soll ich es dir einfacher erklären? Die Seele ist wie ein Magen. Wenn du ihr ständig geistliche Nahrung gibst, ohne ihr Zeit zu lassen, zu verdauen, was sie isst, bekommt sie eine Verdauungsstörung. Alles muss mit Maß getan werden!“