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Gleichnis

Der Tierbändiger

Es wird von einem alten Einsiedler berichtet, der sich vor den Pilgern stets entschuldigte, dass er ziemlich viel zu tun habe, dass er sehr beschäftigt sei. Die Pilger wunderten sich, denn sie wussten, dass er ein heiliges Leben führte und nicht von materiellen Dingen eingenommen war, weshalb sie ihn fragten, womit er sich denn beschäftige.

Der Einsiedler antwortete ihnen: „Ich muss zwei Falken zähmen, zwei Adler abrichten, zwei Hasen beherrschen, mich um eine Schlange kümmern, einen Esel beladen, Pferde satteln und einen Löwen dressieren.“

„In der Tat“, sagten die Leute, „hast du viel zu tun. Deine Zeit ist ausgefüllt. Aber wo sind die Tiere, von denen du sprichst, denn wir sehen nichts von alledem bei Eurer Heiligkeit Zelle?“

Der Einsiedler erklärte es ihnen auf eine sehr einfache Weise, damit es alle verstehen konnten, denn so etwas hatten auch sie zu Hause. Im Grunde haben auch wir solche „wilden Tiere“ in unserer Obhut.

„Die beiden Falken sind unsere Augen, die sich auf alles stürzen; manchmal sind sie wie Pfeile, die sich hier und da festbohren und so verharren. Manchmal ist es schwer, sie zu zähmen.

Die beiden Adler sind unsere Hände, die zugreifen und was sie fassen, nicht mehr loslassen. Manchmal geraten sie außer Kontrolle. Sie könnten anderes tun, sie könnten streicheln, helfen, öffnen.

Die beiden Hasen sind unsere Füße, die laufen, treten, lähmen und uns in die Irre führen.

Das Schwierigste zu beherrschen befindet sich jedoch hinter unseren Zähnen: die Zunge (die Schlange). Jemand sagte, die Zähne seien machtlos gegenüber einer einzigen Zunge. Sie könnte aber auch streicheln, schöne Dinge sagen, Gott preisen, die Wahrheit sagen.

Und dann haben wir einen Esel zu beladen: unseren Körper. Wie oft gleicht er nicht einem solchen Tier! Ihm scheint immer, er sei zu schwer beladen, und er widersetzt sich, wird störrisch, weigert sich, ist eigensinnig wie ein Esel. Und doch brauchen wir ihn.

Dann haben wir noch einen Löwen zu dressieren. Vom Löwen heißt es, er sei der König der Tiere, so wie das Herz die Zentrale der Kraft ist, der Sitz des Mutes und aller edlen Gefühle, aber es kann auch die Keimzelle des Hasses und der Auflehnung sein. „Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.“ (Matthäus 15,19).“