Eines Morgens wurde der Herrscher einer Stadt von Rufen geweckt, die vom Marktplatz herüberschallten: „Kommt her für Äpfel! Süße Äpfel, wie ihr sie noch nie gekostet habt!“
Übellaunig stand er vom Bett auf, blickte aus dem Fenster und sah einen Händler, der tatsächlich Äpfel verkaufte, umringt von einer Menge Kunden. „Diese Äpfel müssen wirklich gut sein“, sagte sich der Herrscher der Stadt, und da er Appetit darauf bekam, rief er seinen ersten Berater und befahl ihm: „Nimm fünf Goldstücke und geh auf den Markt, um Äpfel von diesem Händler zu kaufen.“
Der erste Berater rief den Mundschenk und sagte ihm: „Hier sind vier Goldstücke, geh und kaufe Äpfel.“ Der Mundschenk wandte sich seinerseits an den Truchsess: „Bitte sehr, drei Goldstücke, von denen du Äpfel bei jenem Händler kaufen sollst.“
Der Truchsess rief den obersten Wächter, gab ihm zwei Goldstücke und schickte ihn auf den Markt. Dieser gab einem untergebenen Wächter ein Goldstück, und jener ging zum Händler und fuhr ihn an: „He, was schreist du hier so herum? Du hast den Schlaf des Herrschers der Stadt gestört, und zur Strafe hat er mir befohlen, diesen Wagen mit Äpfeln zu beschlagnahmen.“ Gesagt, getan.
Zurück bei seinem Vorgesetzten prahlte der Wächter: „Ich habe ein unglaubliches Geschäft gemacht. Mit einem Goldstück habe ich die Hälfte des Apfelwagens des Händlers gekauft.“
Der oberste Wächter ging zum Truchsess: „Ich habe gehandelt und es mit den zwei Goldstücken, die du mir gegeben hast, geschafft, einen Sack Äpfel zu kaufen!“
Der Truchsess eilte zum Mundschenk: „Mit drei Goldstücken habe ich einen ganzen Beutel Äpfel bekommen.“
Der Mundschenk versteckte die Hälfte der Menge und ging dann zum ersten Berater: „Siehe, die vier Goldstücke reichten nur für einen halben Beutel Äpfel.“
Und der erste Berater trat vor den Herrscher der Stadt und sprach: „Majestät, siehe, ich habe den Befehl ausgeführt. Jedoch konnte ich für diese fünf Goldstücke nicht mehr als fünf Äpfel aushandeln.“
Der Herrscher der Stadt biss in einen Apfel und dachte nach: „Hmmm… Fünf Äpfel für fünf Goldstücke… teuer, sehr teuer! Und trotzdem hatte dieser Händler eine Menge Käufer. Das bedeutet, den Leuten geht es gut, sie haben Geld. Da werde ich doch mal die Abgaben erhöhen!“