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Gleichnis

Die Schönheit und Wärme eines Geschenks

Der Postbote klingelte zweimal. Es waren noch fünf Tage bis Weihnachten. Er hielt ein großes Paket in den Händen, das in schönes Papier eingewickelt und mit goldenen Bändern verschnürt war.

„Herein“, antwortete eine Stimme von drinnen. Der Postbote trat ein. Es war ein heruntergekommenes Haus, denn er befand sich in einem schattigen und staubigen Raum. In einem Sessel saß ein alter Mann.

„Sehen Sie nur, was für ein außergewöhnliches Weihnachtspaket“, sagte der Postbote fröhlich.

„Danke. Legen Sie es einfach hin“, sagte der alte Mann mit der traurigsten Stimme, die man sich vorstellen konnte.

Der Postbote erstarrte mit dem Paket in der Hand. Er ahnte sehr wohl, dass dieses Geschenk voller wunderbarer Dinge war, und doch zeigte das Gesicht des alten Mannes nicht die geringste Spur von Freude. Warum war er also so traurig?

„Aber mein Herr, sollten Sie diesen Tag mit diesem prachtvollen Geschenk nicht zu einem Fest machen?“

„Ich kann nicht, ich kann es wirklich nicht“, sagte der alte Mann mit Tränen in den Augen.

Und er begann, dem Postboten die Geschichte seiner Tochter zu erzählen, die in der Nachbarstadt verheiratet und reich geworden war. Jedes Jahr schickte sie ihm ein Weihnachtspaket mit einem Zettel: „Von deiner Tochter Luisa und ihrem Mann.“ Niemals ein paar persönliche Wünsche, ein Besuch oder eine Einladung: „Komm und verbringe Weihnachten mit uns.“ Niemals.

„Kommen Sie mit“, fügte der alte Mann hinzu, während er müde aufstand. Der Postbote begleitete ihn zu einer Abstellkammer. Der alte Mann öffnete die Tür.

„Aber …“, staunte der Postbote. Die Kammer war voller Weihnachtsgeschenke. Es waren all die anderen Gaben, die sich aus den vergangenen Jahren angesammelt hatten. Alle in ihrem wunderbar gemusterten Papier und mit ihren glänzenden Bändern.

„Aber Sie haben sie nicht einmal geöffnet“, rief der Postbote verwundert aus.

„Nein“, antwortete der alte Mann traurig: „Es ist keine Liebe darin.“