Als ein Wanderer seines Weges ging, sah er in einem Garten einen schönen Baum, an dessen Ästen einige große, rote Äpfel hingen, die einem das Wasser im Mund zusammenlaufen ließen. Als der Mann sah, dass niemand in der Nähe war, was dachte er sich? Es wäre gut, wenn er auch ein paar davon probieren würde, nur so zum Genuss! Aber wie sollte er das anstellen? Bis zum Baum musste er einen hohen Zaun und eine große Pfütze überwinden.
Er stand eine Weile da, drehte und wendete sich, aber da er die Geduld verlor, sagte er sich: „Was soll's!“ und begann, über den Zaun zu klettern. Mit Mühe gelang es ihm, in den Hof zu gelangen, doch er war sehr verärgert, denn er hatte sein Gewand an einem Dorn im Zaun verhakt und es zerrissen. Was sollte er nun tun! Er konnte nichts mehr ändern. Mehr noch, in seiner Eile vergaß er die schlammgefüllte Pfütze und versank im Morast.
Als er schließlich unter dem besagten Baum ankam, nahm er ein paar Äpfel, doch als er sie betrachtete, sagte er sich: „Es stimmt, ich habe bekommen, was ich wollte, aber hat es sich gelohnt? Mein gutes Gewand ist zerrissen, meine Schuhe und Hosen sind schmutzig …“
Während er so dastand und sich selbst bemitleidete, erschien der Herr des Hauses im Hof. Als er den Wanderer so sah, sagte er zu ihm: „Guter Mann, musstest du dich für ein paar Äpfel so abmühen? Sieh nur, was dir passiert ist! Ganz zu schweigen davon, dass ich nicht verstehe, warum du versucht hast, sie heimlich zu nehmen. Hättest du an mein Tor geklopft und mich um ein paar Äpfel gebeten, hätte ich sie dir gerne gegeben. Komm jetzt ins Haus, um dich zu waschen und auszuruhen, und dann kannst du deines Weges ziehen!“
Der Wanderer war sehr froh und dankbar, als er die Güte seines Gastgebers sah, aber gleichzeitig versprach er sich selbst, dass er ein andermal nicht mehr so unüberlegt handeln würde.
Im Leben ist es nicht nur wichtig, etwas zu bekommen, sondern auch, wie man es bekommt! Es gibt Menschen, die mehr haben wollen und dafür ohne Rast arbeiten. Andere aber stehlen und denken immer nur daran, wie sie der Arbeit entgehen und betrügen können. Diese, die Sünder, betrügen sich selbst, denn es geht nicht nur darum, etwas zu haben; es zählt auch, wie man es erlangt hat!
„An vergänglichen Dingen kannst du nur reich werden, indem du einen anderen arm machst. An geistlichen Dingen kannst du nur reich werden, indem du einen anderen bereicherst.“