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Gleichnis

Die Last der Sünden

Als ein Priester durchs Dorf ging, traf er einen Bauern, der nicht oft in die Kirche kam. Er hielt ihn an und sagte:

„Mein Sohn, warum bist du gestern nicht zum Gottesdienst gekommen? Hattest du Sorgen? Kann ich dir irgendwie helfen?”

„Pater, ich hatte keine Zeit, ich war mit diesem und jenem beschäftigt und …“

„Ach, mein Sohn, es kann doch nicht sein, dass du dir keine Zeit nimmst, in die Kirche zu kommen, eine Kerze anzuzünden und ein Gebet zu sprechen …! Wenn du nicht an Gott denkst und nicht Seine Hilfe suchst, wie erwartest du dann, dass Er für dich sorgt? Welche Probleme du auch haben magst, auch wenn du sie nicht allein lösen kannst, auch wenn dir niemand helfen könnte, Gott kann es. Er gibt dir Gesundheit, Frieden und Gedeihen in deinem Haus. Aber wenn du Sünden begehst, verdienst du dann noch Seine Hilfe?”

„Aber, Pater, welche Sünden habe ich denn?“, fragte der Mann verwundert. „Ich habe nur kleine Sünden. Sind diese denn so schwerwiegend?”

„Mein Sohn“, sprach der Priester weiter, „jede Sünde ist schwerwiegend, denn die Sünde, wie klein sie auch sein mag, schleicht Bosheit in deine Seele. Deine Sünden mögen nicht allzu groß erscheinen, aber… erinnere dich, hat es gestern geregnet?”

„Ja, Pater, es hat etwas geregnet, aber nicht sehr viel.“

„Und warum konntest du heute das Haus verlassen?”

„Nun, Pater, weil am Morgen die Sonne herauskam und die Erde schnell trocknete.“

„Siehst du, mein Sohn? Erinnerst du dich an die Überschwemmungen letztes Jahr? Es hat drei Tage hintereinander geregnet. Konnten wir da noch aus unseren Häusern gehen? Die Sünde, mein Sohn, ist wie ein Wassertropfen. So klein, meinst du, er könne gar keinen Schaden anrichten. Wenn du einige Sünden hast, aber versuchst, sie durch Buße und Güte, durch Gebet in der Heiligen Kirche wiedergutzumachen, dann erscheint sofort die Liebe des Herrn, die der Seele Frieden bringt, genau wie die Wärme und das Licht der Sonne nach einem regnerischen Tag. Aber wenn sich die Regen ansammeln und einer nach dem anderen niedergeht, wenn sich Tausende und Abertausende von scheinbar kraftlosen Tropfen vereinen, dann kann ihnen nichts mehr im Wege stehen. Genauso ist es, wenn sich Sünde auf Sünde in unseren Seelen anhäuft, dann können wir ihnen nicht mehr standhalten, wir werden immer böser und egoistischer. Tritt ein in die Kirche, mein Sohn, so oft du kannst. Bete und verneige dich vor den Ikonen, und dann wird deine Seele nicht von der Last der Sünden gequält werden und dein Leben wird ein Vorbild für die Menschen um dich herum sein. ‚Es ist unmöglich, dass Gott die Gebete des Menschen nicht erhört, wenn der Mensch die Gebote des Herrn befolgt‘ (Abba Jesaja).“