Zwei Bauern besaßen eine gemeinsame Tenne, auf der sie ihr Getreide dreschten. Einer von ihnen war unehrlich, der andere die Ehrlichkeit selbst. Beide hatten am selben Tag ihre Ernte gedroschen, und jeder ließ sein Getreide bis zum nächsten Tag auf der Tenne liegen.
Der unehrliche Bauer wollte in der folgenden Nacht vom Getreide seines Nachbarn stehlen und legte, um es zu erkennen, schon am Abend eine Decke darüber. Zufällig kam an jenem Abend auch der andere Bauer zur Tenne, und als er das zugedeckte Getreide sah, sagte er sich: „Was für ein guter Mensch mein Nachbar doch ist! Er hat mein Getreide zugedeckt, damit es nicht regnet und verdirbt. Aber auch ich will nicht weniger ehrenhaft sein. Besser mein Getreide verdirbt als das dieses so wohlwollenden Mannes …“. Daraufhin nahm er die Decke und bedeckte den Haufen des anderen.
In der Nacht ging der Dieb dorthin, ertastete die Decke und füllte seinen Sack mit dem Getreide des bedeckten Haufens. Als er am nächsten Tag zur Tenne kam, stellte er beschämt fest, dass der Haufen seines Nachbarn unberührt war und er sich in Wirklichkeit selbst bestohlen hatte.
Wie oft im Leben stiehlt der Mensch sich nicht selbst den Hut und schadet sich dadurch!