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Gleichnis

Vergib mir, Herr, meine Unweisheit, und Dein Wille geschehe mit mir

Bei einem alten und geistlich sehr erfahrenen Mönch kehrte ein christliches Ehepaar ein, das sich seit vielen Jahren vergeblich bemühte, Kinder zu bekommen. Seit Jahren waren sie zu Klöstern gepilgert, beteten, gingen zur Beichte, ließen Gedenkzettel in allen Klöstern und bei allen berühmten Beichtvätern lesen, und doch verging die Zeit, und ihr Gebet wurde nicht erhört.

Als sie dem alten Mönch unter Tränen die Geschichte ihres Lebens erzählten, sprach dieser, bewegt vom Heiligen Geist und der Gabe der Hellsichtigkeit, mit sanftmütigem Geist zu ihnen: „Geliebte Christen! Gott gibt in Seiner großen Barmherzigkeit und Seiner sanften Fürsorge Seinen Wohlgefälligen alles, was zum geistlichen Nutzen für die Erlösung ihrer Seelen und der Seelen ihrer Nächsten dient. Wenn Er zögert, eure Bitte zu erfüllen, bedeutet das, dass etwas im Wege steht. Der gütige Gott weiß, wann Er geben soll, wie viel Er geben soll, wem Er geben soll und unter welchen Umständen. Wir aber suchen in unserer Unwissenheit, was uns gefällt, ohne eine Ahnung von unserer Zukunft zu haben und wie Gott sie zu unserem Besten fügt. Ich erkenne in eurem Anliegen eine Verhärtung zur Erfüllung eines eigenen Willens, ohne dass ihr euch mit Liebe und vollkommenem Vertrauen in Seine sanften Hände begebt! Geht in Frieden nach Hause und betet weiter, dass in allem der Wille des gütigen und barmherzigen Gottes geschehe, der am besten weiß, was ihr braucht. Handelt nicht Seinem Willen zuwider, denn wenn ihr darauf besteht, wird Er letztlich euren Willen erfüllen, aber es könnte sein, dass es euch nicht zum Nutzen und zur Erlösung gereicht!“

Unsere Christen setzten ihren Weg fort, ohne jedoch den weisheitsvollen Rat des alten und vom Heiligen Geist erfüllten Vaters zu Herzen zu nehmen. Und siehe, nach kurzer Zeit gelang es den beiden, einen männlichen Nachkommen zu bekommen, und ihre Freude darüber war groß, da sie in ihren Herzen glaubten, dies sei das Ergebnis ihrer Gebete.

Das Kind wuchs erstaunlich schnell heran, und als es fünf Jahre alt war, starb die Frau des Christen an einer plötzlichen Krankheit. Der Vater des Kindes mühte sich weiterhin, für seinen Sohn zu sorgen, doch siehe, nach zehn Jahren heiratete er wieder eine Frau, in der Hoffnung auf eine Hilfe im Leben. Nur war diese Frau nicht gläubig, sondern nur sehr schön. Es begab sich, dass der Vater, als er ein Jahr nach der Heirat früher als erwartet von einer Dienstreise nach Hause zurückkehrte und die Wohnung betrat, seine Stiefmutter mit seinem Sohn schamlos im Bett beim Unzuchttreiben überraschte. Geschockt von dem Ereignis und von einem unbezähmbaren Zorn erfasst, griff der Vater nach einem Messer und tötete beide auf der Stelle. Daraufhin von Furcht ergriffen und von dem Geschehen betäubt, fiel er, blutüberströmt und von den Tränen der Verzweiflung benetzt, in einen Sessel.

Doch siehe, in der Agonie dieses Ereignisses erschien ihm ein Engel und sprach: „Mensch! Ihr habt besessen von Gott verlangt, ein Kind zu haben, und dafür habt ihr gebetet, ihr seid zu Beichtvätern gegangen, und alle haben euch gelehrt, mit Weisheit um das zu bitten, was euch nützlich ist. Ihr habt nicht auf die Stimme Gottes aus ihrem Mund gehört und habt weiterhin nach eurem eigenen Sinn gehandelt. Gott kannte in Seiner Voraussicht, was mit diesem Kind geschehen würde, das ihr so besessen verlangtet. In eurer Jugend habt ihr eine Abtreibung vorgenommen, ein Kind im Mutterleib abgeschlachtet, und ihr habt keine Buße getan, die der begangenen Sünde angemessen wäre. Hättet ihr gebetet, dass der Wille des Herrn in all euren Angelegenheiten geschehe, säßest du jetzt nicht in diesem Sessel, und ich hätte diese furchterregenden Worte nicht zu dir gesprochen. Geh und stelle dich den Behörden, bekenne deine Sünde und tue Buße bis zum Ende deines Lebens, sodass du deine Seele und die deiner Angehörigen, die in ihren Sünden gestorben sind, retten kannst! Von nun an sage allen Menschen, sie sollen so zum gütigen Gott beten: ‚Herr, ich wünsche mir dies… aber in meiner Elendigkeit weiß ich nicht, was gut für mich und meine Lieben ist. Dein heiliger Wille geschehe mit mir und mit all den Meinen, und erfülle nach Deiner Weisheit alles, was uns hier und für das ewige Leben zum Nutzen ist! Amen!‘“

So endet diese wahre Geschichte (die vor vielen Jahren auch in der Presse veröffentlicht wurde), die uns lehrt, wie wir in allen Augenblicken unseres Lebens zum gütigen Gott beten sollen, indem wir bedenken, dass Er allwissend ist und uns alles zur Erlösung und zum Nutzen gibt. Da Gott unsere Freiheit respektiert, überlässt Er uns manchmal unserem eigenen Willen, damit wir verstehen, dass wir Fehler machen, und um auch für unsere Mitmenschen ein Beispiel zu sein. Ein alter geistlicher Vater sagte, die größte Strafe sei es, wenn Gott uns unserem eigenen Willen überlässt, weil wir Ihm nicht gehorchen wollen; wir bitten um Schlechtes und Falsches, und Er zieht sich aufgrund unserer Hartnäckigkeit traurig und betrübt zurück, weil wir Seine Fürsorge ablehnen. Ein anderes Mal erfüllt Er unsere Gebete wegen unseres Egoismus, unserer Selbstliebe und unseres großen Stolzes nicht, zumal wir nicht einmal versuchen, uns zu ändern und Ihm wohlgefällig zu werden.