Ein Vater hinterließ seinen Söhnen als Erbe ein Feld mit Getreide. Die beiden teilten es brüderlich. Doch einer von ihnen war reich und unverheiratet, während der andere arm war und viele Kinder zu versorgen hatte.
Als die Zeit der Ernte kam, begann der reiche Bruder, sich in seinem Bett zu wälzen und bei sich zu denken: „Ich bin reich, wozu nützen mir diese Garben? Mein Bruder ist arm und braucht viel Getreide für seine Familie.“ Er stand aus dem Bett auf, ging zum Feld und nahm von seinem Teil eine Menge Ähren und brachte sie auf den Ackerteil seines Bruders.
In derselben Nacht dachte auch sein Bruder nach: „Mein Bruder hat weder Frau noch Kinder. Seine Freude ist der Reichtum, und ich möchte sehen, dass seine Freude wächst.“ Er verließ sein Lager, ging zum Feld und brachte viel von dem, was er geerntet hatte, auf den Ackerteil, der seinem Bruder gehörte.
Als die beiden im Morgengrauen zum Feld gingen, war ihre Verwunderung groß, als sie sahen, dass das Getreide nicht weniger geworden war. In den folgenden Nächten taten sie dasselbe. Jeder von ihnen trug von seinem Getreide auf das Feld des Bruders. Und jeden Morgen entdeckten sie, dass das Getreide nicht weniger wurde.
Doch in einer Nacht trafen sich die beiden Brüder mitten auf dem Feld, beide mit den Armen voller Getreidegarben. Sie verstanden, was geschehen war, und lachend umarmten sie sich. Da hörten sie eine Stimme vom Himmel: „Dieser Ort, an dem so viel brüderliche Liebe offenbart wurde, ist würdig, für den Bau meines Tempels erwählt zu werden, des Tempels der Liebe zwischen Brüdern.“
Und tatsächlich wählte König Salomo später diesen Ort, um den Tempel zu bauen. Ob es König Salomo heute wohl gelingen würde, einen Platz für den Tempel zu finden?