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Gleichnis

Die Lektion des Fohlens

Am Fuße eines Berges lebten eine Stute und ihr Fohlen, das ihr ständig auf den Fersen war. Eines Tages sagte die Stute zu dem Fohlen: „Mein Lieber, du bist jetzt groß genug, kannst du etwas für mich tun?“ „Natürlich, sehr gerne!“ Die Stute lächelte und sagte glücklich: „Was für ein liebes Fohlen du bist! Dann nimm diesen Sack Weizen und bring ihn zur Mühle.“ Und sie legte ihm den Sack Weizen auf den Rücken.

Dem Fohlen schien er nicht schwer, doch es fragte seine Mutter: „Kommst du auch mit?“ „Warum hätte ich dich dann gebeten, den Sack zu tragen, wenn ich mitkommen müsste?“, sagte sie. „Geh schnell los und komm früh zurück, damit wir zusammen zu Abend essen können.“

Und so machte sich das Fohlen allein auf den Weg zur Mühle. Um zur Mühle zu gelangen, musste es einen Fluss überqueren. Als es am Ufer des Flusses ankam, erschrak es vor dem Wasser. „Soll ich hinübergehen oder nicht? Mama ist nicht bei mir, was soll ich tun?“, sagte sich das Fohlen und wünschte, seine Mutter wäre bei ihm. Aber von der Mutter war keine Spur. Es sah nur einen Büffel, der am Ufer Gras weidete.

Das Fohlen trat an ihn heran und fragte: „Onkel Büffel, kannst du mir sagen, ob ich den Fluss überqueren kann oder nicht?“ „Das Wasser ist nicht tief“, antwortete der Büffel. „Es reicht mir nicht einmal bis zu den Knien, wie solltest du es da nicht überqueren können?“ Als das Fohlen das hörte, lief es zum Fluss.

„He, warte mal!“, hörte es eine Stimme. „Wer ist da?“, wunderte sich das Fohlen. Es hielt an, und als es aufblickte, sah es ein Eichhörnchen. Das Eichhörnchen saß auf dem Ast eines Baumes und sagte, während es mit seinem buschigen Schwanz wedelte: „Hör nicht auf die Worte des Büffels! Das Wasser ist sehr tief, und du wirst ertrinken.“

„Woher weißt du, dass das Wasser tief ist?“, fragte das Fohlen. „Wenn es nicht tief wäre, wie konnte dann gestern meine Freundin ertrinken, als sie es überqueren wollte? Hör nicht auf die Worte des Büffels.“ „Ist der Fluss nun tief oder nicht?“, fragte sich das Fohlen verwirrt. „Ich gehe lieber und frage meine Mutter.“

„Schon zurück?“, fragte die Mutter. „Der Fluss ist zu tief, ich kann ihn nicht überqueren.“ „Wie kann er tief sein?“, sagte die Stute. „Onkel Esel hat ihn unzählige Male mit einem Bündel Holz auf dem Rücken überquert. Er sagte, das Wasser reiche ihm nur bis zum Bauch, es sei gar nicht tief.“ „Das hat mir Onkel Büffel auch gesagt, dass ihm das Wasser nur bis zu den Knien reicht.“ „Warum hast du den Fluss dann nicht überquert?“ „Aber … das Eichhörnchen hat mir gesagt, dass das Wasser sehr tief ist und dass gestern seine Freundin ertrunken ist, als sie ihn überqueren wollte.“

„Aber hast du nicht genau darüber nachgedacht, was sie sagen wollten?“ „Ich habe ein wenig nachgedacht, aber ich weiß nicht, wer recht hat.“ Lachend sagte die Mutter zu ihm: „Denk doch mal darüber nach, wie groß der Büffel ist und wie klein das Eichhörnchen ist!…“

„Ich habe verstanden“, sagte das Fohlen und rannte zum Fluss. Als es ihn überqueren wollte, stellte es fest, dass das Wasser weder so war, wie der Büffel gesagt hatte, noch so, wie das Eichhörnchen es beschrieben hatte. Es reichte ihm kaum bis zu den Knien.