Zum Inhalt springen

Gleichnis

Makarios und die habgierige Jungfrau

Es gab in Alexandria eine Jungfrau, die dieses Namens wahrlich unwürdig war, denn obwohl sie nach ihrer Kleidung demütig schien, war sie stolz und liebte das Gold mehr als den Herrn. Deshalb gab sie den Armen niemals auch nur eine Münze als Almosen.

Der selige Makarios, der in seiner Jugend Edelsteinschleifer gewesen war, nun aber Priester war und sich um das Krankenhaus kümmerte, wollte sie vom Eiter des Geizes heilen, gleichsam durch einen Aderlass auf diese wunderbare Weise: Er ging zu ihr und sagte: „Ich habe erfahren, dass jemand Perlen und Edelsteine zu einem sehr guten Preis verkauft. Wenn du mir also Geld gibst, werde ich, der ich ein sehr guter Kenner bin, sie alle für dich kaufen.“

Jene aber warf sich ihm zu Füßen und bat ihn, sie sogleich für sie zu kaufen. Und dieser Heilige – er war damals fast hundert Jahre alt – nahm das Geld und verwendete es für die Bedürfnisse des Krankenhauses.

Nachdem einige Zeit vergangen war, schämte sich die Jungfrau, ihm gegenüber ein Wort über das gegebene Geld zu erwähnen. Doch als sie sich einmal in der Kirche trafen, fragte sie ihn, wo die Steine seien, für die sie bezahlt hatte. Und der Heilige antwortete ihr: „Wenn du sie sehen willst, komm zu meinem Haus, und ich werde sie dir zeigen. Und wenn sie dir nicht gefallen, gebe ich dir das Gold zurück, das du mir gegeben hast.“

Erfreut über seine Worte, folgte ihm die Jungfrau sogleich. Als sie also beim Krankenhaus ankamen, wo getrennt Frauen und Männer wohnten, die einen verkrüppelt, die anderen lahm, wieder andere blind, fragte sie der Heilige: „Was möchtest du zuerst sehen: die Perlen oder die kostbaren Steine?“ „Zeige mir, was du willst“, sagte sie.

Daraufhin führte Makarios sie zu den Räumen, in denen die Frauen waren, und sagte: „Siehe, die leuchtenden Perlen.“ Dann zeigte er ihr die Unterkünfte der Männer: „Siehe, auch die unschätzbaren Steine, die ich für dich erworben habe. Und wenn dich diese nicht zufriedenstellen, werde ich dir dein Geld zurückgeben.“

Als die Jungfrau diese Worte hörte, schämte sie sich und tat Buße, weil sie jenes Geld nicht aus Liebe zu Gott, sondern aus Gier nach Reichtum und gleichsam gezwungen gegeben hatte, welches der Heilige geschickt zu ihrer Erlösung verwendet hatte. Und für den Rest ihres Lebens verwendete sie ihr gesamtes Vermögen zum Wohle der Armen und verwehrte niemandem ihre Hilfe.