Ein junger Mann fand Gefallen an einer jungen Frau, die ein geistliches Leben führte. Und damit auch sie Gefallen an ihm fände, versuchte auch er, geistlich zu leben, in die Kirche zu gehen und so weiter. Schließlich heirateten sie. Doch nach einigen Jahren nahm dieser Mann sein früheres weltliches Leben wieder auf.
Obwohl er bereits erwachsene Kinder hatte – einen Sohn an der Universität und zwei Töchter, eine auf dem Gymnasium und die andere in der Mittelschule –, führte er weiterhin ein ausschweifendes Leben. Er besaß ein großes Unternehmen und verdiente viel Geld, doch das meiste gab er für sein zügelloses Leben aus. Seine arme Frau unterhielt den Haushalt durch ihre Ersparnisse und die Kinder mit ihren Ratschlägen. Sie verleumdete den Vater der Kinder nicht, damit sie keinen Abscheu vor ihm empfanden und so seelischen Schaden nähmen, aber auch, damit sie nicht selbst von einem solchen Leben angezogen würden.
Spät in der Nacht, wenn er nach Hause kam, konnte die Frau ihn leicht vor den Kindern rechtfertigen, indem sie sagte, er habe geschäftlich zu tun. Aber was konnte sie ihnen sagen, wenn er mittags mit einer seiner Freundinnen nach Hause kam? Und was tat dieser Mann ohne Gottesfurcht? Obwohl er es nicht verdient, ein Mensch genannt zu werden, denn er besaß keinerlei Menschlichkeit. Er rief seine Frau an, sie solle Essen vorbereiten, und kam mittags mit einer seiner Freundinnen zum Essen. Die arme Mutter empfing sie mit Güte, um ihre Kinder nicht auf falsche Gedanken zu bringen. Sie erweckte den Eindruck, dass jene eine Freundin von ihr sei und der Vater der Kinder bei ihr vorbeigekommen sei und sie mit dem Auto mitgebracht habe.
Sie schickte die Kinder in ihre Zimmer, um zu lernen, denn sie fürchtete, sie könnten eine schamlose Szene sehen, da ihr Mann sich leider nicht zurückhielt und auch im Haus unanständige Dinge tat. Und das geschah jeden Mittag. Und er wechselte seine Freundinnen so oft, dass die Kinder ihre Mutter fragten: „Mutter, wie viele Freundinnen hast du denn?“ „Wir kennen uns schon lange“, sagte sie ihnen. Zu alledem behandelte er die arme Frau schlechter als eine Dienerin, denn er verhielt sich ihr gegenüber sehr barbarisch.
Stellen Sie sich vor, diese Mutter musste jeden Tag zwei Tieren dienen, die ihr Haus entehrten, während sie stets gute Gedanken in die Köpfe ihrer Kinder pflanzte. Und sie wusste nicht, ob diese Geschichte jemals enden würde, sodass sie hätte sagen können: „Ich werde Geduld haben“, und so ein wenig Trost finden. Und diese Geschichte dauerte viele Jahre.
Und da der Elende dem Teufel so viele Rechte eingeräumt hatte, war es nur natürlich, dass er schreckliche teuflische Einflüsse erfuhr. Er war wie ein Verrückter, konnte sich nicht beherrschen, nichts passte ihm. Eines Tages, als er wie ein Wahnsinniger mit dem Auto fuhr und vom Rausch der fleischlichen Lust benommen war, kam er vom Weg ab und stürzte in eine Schlucht. Das Auto wurde völlig zerstört, und er wurde schwer verletzt. Man brachte ihn ins Krankenhaus, und nach einer Zeit des Aufenthalts wurde er verkrüppelt nach Hause gebracht.
Doch keine seiner Freundinnen kam zu ihm, denn er hatte nun nicht mehr viel Geld, und sein Gesicht war entstellt. Da pflegte ihn seine hingebungsvolle Frau und gute Mutter mit großer Güte, ohne ihn an irgendetwas aus seinem ausschweifenden Leben zu erinnern. Diese ihre Tat bewegte ihn sehr und veränderte ihn geistlich. Er bereute aufrichtig und legte die Beichte ab. Er lebte einige Jahre christlich in seelischem Frieden und entschlief dann im Herrn.
Nach dem Tod des Vaters übernahm sein Sohn dessen Arbeit und versorgte die Familie. Und zusammen mit seinen Schwestern lebte er in Liebe, denn sie hatten gute Lehren von ihrer guten Mutter empfangen.
Diese Mutter war eine Heldin. Sie trank alle Gifte, nur damit ihre Familie nicht zerbrach und ihre Kinder nicht verbittert würden. Sie wusste das Ruder der Familie richtig zu führen, sie rettete auch ihren Mann und erwarb sich für all dies eine große Belohnung im Himmel. Gott wird dieser Frau den besten Platz im Paradies geben.