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Gleichnis

Mediasch, der Elende, und der alte Mönch

Es waren einmal Leute, die einen Jungen namens Mediasch hatten. Dieses Kind wurde von klein auf sehr verhätschelt, und seine Eltern ließen ihn nichts tun. Aus diesem Grund schimpften sie mit ihm, als er älter wurde, und Mediasch erschlug sie aus Trotz mit einer Keule. Er nahm seine Keule und ging in den Wald, wo er zu einem gefürchteten Räuber wurde.

Mediasch tötete viele Menschen. Eines Tages fing er sogar einen alten Mönch und wollte ihn umbringen. Der Priestermönch, der auch hellsichtig war, sagte zu ihm: „Willst du, mein Sohn, auch mich töten, so wie du deine Eltern mit jener Keule getötet hast? Lass mich dich lieber zur Beichte führen und dir eine Bußregel auferlegen, denn ich bin alt und werde bald sterben.“

Mediasch wusste nicht, was eine Beichte war, doch er gehorchte, überwältigt von der Hellsichtigkeit des Greises. Der Priestermönch sagte zu ihm: „Die Apfelbaumkeule, mit der du getötet hast, sollst du in die Erde stecken und sie mit Wasser aus deinem Mund begießen, indem du auf Ellbogen und Knien gehst, bis sie Blätter treibt und Äpfel trägt, und dabei unaufhörlich deine abscheuliche Tat vor dem Herrn beweinst.“

Mediasch tat so, und der Apfelbaum brachte Blätter und Äpfel hervor. Er kam an den Punkt, an dem er keine Kleider mehr am Leib hatte, alles war nur noch Lumpen, und er war über und über mit Wunden bedeckt.

Eines Tages kam der Priester wieder dort vorbei und erinnerte sich an ihn. Er sah ihn und sagte: „Schüttle den Apfelbaum!“ Er schüttelte ihn, und alle Äpfel fielen herab, außer zweien. Gott hatte ihm alle anderen Sünden vergeben, nur nicht den Mord an seinen Eltern. Da sagte ihm der Priestermönch, dass diese nur durch Tränen voller Reue getilgt werden könnten.

Mediasch begann untröstlich, bitterlich zu weinen. Plötzlich fielen auch die letzten Äpfel, und er, geschwächt vom Leid, bat den Greis um die letzte Beichte und die Heilige Kommunion. So empfing Mediasch, der Elende, durch die Umkehr die Vergebung seiner hässlichen Sünden, aber er empfing auch die Erlösung seiner Seele durch die Liebe des geistlich fortgeschrittenen Greises und die große Fürsorge Gottes.