In einem Garten wuchsen die prächtigsten Blumen: Rosen, Lilien, Rittersporn, Sonnenblumen. Jeder, der vorbeikam, blieb stehen und bewunderte sie. Da begannen die Blumen, eitel und hochnäsig zu werden. Oft stritten sie sich, welche von ihnen die schönste sei. Und jede rühmte sich mit dem, was sie hatte: die Rose mit ihrer Schönheit, der Rittersporn mit der Farbe seiner Blütenblätter, die Lilie mit ihrem Duft und die Sonnenblume mit ihrer Größe.
Hinter dem Zaun wuchsen Gänseblümchen. Sie waren so klein und unbedeutend, dass ihnen niemand Beachtung schenkte. Manchmal waren diese Blümchen traurig, weil alle Vorbeigehenden sie ignorierten.
Eines Tages kam ein Kind in den Garten. Es wollte Blumen für seine kranke Mutter pflücken. Und es dachte sich: „Ich möchte ihr eine Freude machen; dann wird sie sicher wieder gesund“. Also wollte es eine Rose abreißen. Aber diese, mit ihren spitzen Dornen, ließ es nicht zu: „Was fällt dir ein? Ich will nicht in einem Krankenzimmer welken. Ich bin schließlich die Königin der Blumen!“
„Ich will auch nicht gepflückt werden!“, sagte der Rittersporn und versteifte seinen Stängel. Die Sonnenblume streckte sich in ihrer ganzen Länge, und das Kind konnte sie nicht abreißen. Und die Lilie verströmte einen so starken und betäubenden Duft, dass der Junge erstickend von dort floh.
Da bemerkte er am Zaun einige Gänseblümchen. Als er sie fragte: „Erlaubt ihr mir, euch mitzunehmen?“, neigten sich die Blümchen freudig. Das Kind pflückte sie und brachte sie an das Bett seiner Mutter. Und sie blickte sie an und wurde gesund.