Eines Tages, vor langer Zeit, durchstreifte irgendwo eine junge Frau, in zerlumpte Kleider gehüllt, die Gassen eines kleinen Dorfes, klopfte von Tor zu Tor und bat um Almosen. Sie hatte nicht viel Glück. Viele beschimpften sie, andere hetzten die Hunde auf sie. Wieder andere warfen ihr nur verschimmelte Brotkrusten und verdorbene Kartoffeln in den Schoß.
Nur zwei alte Leute, die in einem kleinen Haus am Rande des Dorfes wohnten, baten die arme Frau herein.
„Setz dich ein wenig und wärm dich auf“, sagte der alte Mann, während seine Frau einen Krug Milch und eine große Scheibe Brot vorbereitete. Während sie aß, trösteten die beiden Alten sie mit einigen guten Worten.
Am nächsten Tag geschah in jenem Dorf etwas Außergewöhnliches. Ein königlicher Diener überbrachte den Familien in jedem Haus eine Einladung in den Palast. Die unerwartete Einladung versetzte das ganze Dorf in Aufruhr, und am Nachmittag trafen alle Familien, in Festtagskleidung herausgeputzt, am Schloss ein.
Sie wurden in einen imposanten Festsaal geführt, und jedem wurde ein bestimmter Platz zugewiesen. Als alle Platz genommen hatten, begannen die Diener in Livreen, das Essen zu servieren. Sogleich erhob sich ein Murmeln der Missbilligung und des Zorns, das niemand zu verbergen versuchte. Tatsächlich legten die Diener eifrig Kartoffelschalen, Steine und verschimmelte Brotkrusten auf die Teller.
Nur auf die Teller der beiden alten Leute, die irgendwo an einer Ecke des Tisches saßen, legten sie mit Höflichkeit erlesene und köstliche Speisen. Unerwartet betrat die junge Frau in den zerlumpten Kleidern den Saal. Alle verstummten.
„Ihr habt heute genau das gefunden, was ihr mir gestern gegeben habt.“ Sie legte die Kleider ab, mit denen sie bekleidet war. Unter den Lumpen trug sie goldene Gewänder, besetzt mit Edelsteinen. Sie war die Königin selbst.