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Gleichnis

Die vielen Hände der Mutter

Das Heft, in dem sich der Aufsatz eines kleinen Mädchens aus der dritten Klasse befindet, ist bereits vergilbt. Vor 40 Jahren schrieb Christine, damals zehn Jahre alt, einen Aufsatz. Die Lehrerin las ihn vor der Klasse vor. Der Aufsatz lautet wie folgt: „Hände einer Mutter – In einer Hand hält sie die Pfanne und kocht. In einer anderen hat sie einen Lappen und wischt den Tisch ab. Mit einer weiteren Hand gibt sie den Kleinsten etwas zu trinken. Mit einer anderen Hand deckt sie den Tisch für Papa und für uns Kinder. Mit einer weiteren Hand gibt sie einem Bettler an der Tür ein paar Münzen. In einer anderen Hand hält sie ein Kruzifix und betet …“.

Während die Lehrerin diesen seltsamen Aufsatz vorlas, hatten einige Mitschülerinnen angefangen zu lachen. Deshalb hielt sie inne und fragte das Mädchen: „Christine, wie viele Hände hat deine Mama eigentlich?“ Christine war von der Frage nicht überrascht. Sie stand auf und sagte: „Meine Mutter hat …, meine Mutter hat: zwei Hände für Papa, zwei Hände für jedes der sieben Kinder, zwei Hände für den Knecht, zwei Hände für die Tiere auf dem Hof, zwei Hände für die bedürftige Welt, zwei Hände für den lieben Gott, wenn sie betet … und dann noch zwei Hände, falls noch etwas gebraucht wird. Insgesamt ... Hände.“

Plötzlich wurde es still in der Klasse. Und die Lehrerin sagte: „Du, Christine, hast den schönsten Aufsatz geschrieben!“