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Gleichnis

Die Unschuld des Kindes und Madame de Pompadour

Einst lebte am Hof eines französischen Kaisers eine Dame, die auf vielerlei Weise sündigte und dennoch beim Kaiser in sehr hohem Ansehen stand. Nichts Bedeutendes geschah in Frankreich, ohne dass sie um ihre Meinung gefragt worden wäre. Diese Dame war Madame de Pompadour.

Trotz all ihrer Sündhaftigkeit hatte sie jedoch auch Momente großer Gewissensbisse und fasste viele gute Vorsätze für die Zukunft, schaffte es aber nicht, sie auch umzusetzen. Immer wenn ein Gewitter aufzog, fühlte sie sich so erschüttert und verängstigt, dass sie nur dann Ruhe fand, wenn sie irgendein kleines Kind wahllos in die Arme nahm.

Als sie von einem Berater gefragt wurde, warum sie bei Gewitter das kleine Kind an ihre Brust drücke, antwortete sie:

„Ich bin eine Sünderin und habe deshalb Angst, dass Gott mich mit einem Blitzschlag treffen könnte!“

„Ja, Madame, aber der Blitzableiter ist zum Schutz der guten und gerechten Menschen vor Gott da.“

„Der geeignetste Blitzableiter für eine Sünderin wie mich“, fügte sie hinzu, „ist nichts anderes als das unschuldige Kind. Ein zartes Kind ist der einzige Frieden für meine Seele in Momenten der Unruhe und der schweren Prüfungen.“

„Ich bete immer zu Gott, dass er mir eine Kinderseele und einen Greisenverstand gebe!“