Es war einmal ein kleines schwarzes Schaf. Alle anderen Schafe in der Herde waren weiß. Oder sie sagten, sie seien weiß, in Wirklichkeit waren sie eher grau. Zu diesem schwarzen Schaf sagten sie: `Uhh! Du hässliches schwarzes Ding!`. Das kleine schwarze Schaf wurde traurig. Es entfernte sich von der Herde und versteckte sich. Einmal versteckte es sich sogar in einem Fluss. Hier wusch es sich, aber es wurde nicht weiß wie die anderen. Es erkältete sich nur wegen des kalten Wassers.
Dann ging es zu einer anderen Herde, aber auch hier erging es ihm nicht besser. `Uhh!`, sagten die anderen Schafe, `habt ihr schon einmal ein so schmutziges Schaf gesehen? Alle Schafe müssen weiß und sauber sein`. Da dachte das arme Schaf, dass Gott vielleicht die Farben verwechselt hatte. Es wollte zu Ihm gehen und Ihn bitten, es weiß zu machen wie die anderen.
Zuerst kam es zum kleinen Himmelstor. Als der Wächter es so schwarz sah, wollte er es nicht hereinlassen. Aber es schlüpfte hindurch und gelangte zum mittleren Tor. Der Wächter dort hatte Mitleid mit ihm und ließ es eintreten. Aber der Wächter am großen Tor rief: `Oh, wie süß du bist! Ein schwarzes Schaf! Du gefällst mir unendlich gut!`. Er führte es zum lieben Gott.
Hier bekam es das Schaf mit der Angst zu tun: `Vielleicht will Gott keine schwarzen Schafe sehen`. Und es zitterte vor Angst. Aber der Wächter sagte fröhlich: `Wie wunderbar hast du alles gemacht, himmlischer Vater! Ist dieses schwarze Schaf nicht niedlich? Sicher liebst du es sehr!`. Gott blickte auf das kleine schwarze Schaf und sagte: `Ja!` Sonst sagte Er nichts. Das Schaf war in diesem Augenblick so glücklich, wie es noch nie in seinem Leben gewesen war.
Es kehrte wieder zu seiner Herde zurück. `Uhh!`, buhten die anderen Schafe es aus. `Das hässliche Ding ist wieder mitten unter uns aufgetaucht!`. Aber das Schaf dachte nur daran, dass Gott selbst es schwarz gemacht hatte und dass Er es liebte und schön fand. Deshalb konnte es nur glücklich sein. `Ja`, sagte es, `ich weiß, dass ich schwarz bin`. Es fraß Gras und war immer freundlich zu den anderen Schafen. Und schließlich gewöhnten sie sich an ihre schwarze kleine Schwester und ließen sie in Ruhe, denn sie hatten erkannt, dass es ein gutes Schaf war, trotz seiner schwarzen Farbe.