Es war einmal ein kleines Männlein, das in Mississippi lebte. Wenn es neben anderen Menschen stand, reichte es ihnen nur bis zu den Knien. Es wollte so gern größer sein. Es sagte sich: „Ich werde das größte Tier in der Nachbarschaft fragen, was ich tun soll, um größer zu werden.“
Er ging zum Pferd und fragte es: „Mein Lieber, kannst du mir sagen, was ich tun muss, um größer zu werden?“ Das Pferd antwortete ihm: „Du musst viel Mais essen und viel laufen, mindestens 20 km am Tag, und nachdem du das getan hast, wirst du mit der Zeit so groß und stark sein wie ich.“
Das Männlein tat, wie ihm geheißen war, doch der Mais lag ihm wie ein großer Stein im Magen, und vom Laufen schmerzten ihm die Füße. So wurde er sehr traurig, und gewachsen war er auch nicht. Also kehrte er nach Hause zurück und fragte sich, warum der gute Rat des Pferdes ihm nichts genützt hatte.
Schließlich sagte er sich: „Vielleicht war dieses Tier nicht der richtige Ratgeber. Ich werde den Ochsen fragen.“ Er ging also zum Ochsen zu Besuch und sagte zu ihm: „Mein Lieber, kannst du mir sagen, was ich tun muss, um größer zu werden?“ Der Ochse antwortete: „Du musst viel Gras essen und dann musst du muhen, und nachdem du genug gemuht hast, wirst du sehen, dass du auf einmal so groß sein wirst wie ich.“
Das Männlein befolgte auch diesen Rat gewissenhaft, doch von den Gräsern tat ihm der Bauch weh, und vom Muhen wurde er heiser. Das Schlimmste aber war, dass er auch jetzt nicht größer wurde. Also kehrte er wieder nach Hause zurück, setzte sich auf einen Stuhl und fragte sich, warum auch dieser Rat des Ochsen ihm nichts half.
Kurze Zeit später flog eine Eule vorbei. Sie rief: „Dumme Leute haben immer seltsame Ideen, dumme Leute haben immer seltsame Ideen.“ „Warte einen Augenblick, Eule“, sagte das Männlein. „Ich will dich etwas fragen.“ „Ja, bitte schnell“, sagte die Eule höflich und setzte sich auf einen Ast. „Was könnte ich für dich tun?“ „Ich möchte größer werden“, sagte das Männlein. „Aber obwohl ich es auf verschiedene Weisen versucht habe, ist es mir nicht gelungen. Ich bin schon entmutigt.“ „Warum willst du aber größer werden, als du bist?“ „Ganz einfach“, antwortete das Männlein. „Wenn es einen Streit gibt, ist es gut, groß und stark zu sein, um nicht den Kürzeren zu ziehen.“ „Hat schon jemand versucht, dich zu schlagen?“, fragte die Eule. „Nein, das ist noch nicht passiert“, antwortete das Männlein. „Siehst du also“, sagte die Eule. „Auch du brauchst nicht zu schlagen. Wozu also größer und stärker werden, als du bist?“ „Es gibt noch etwas“, sagte das Männlein. „Wenn ich groß wäre wie die anderen, könnte ich sehr weit blicken.“ „Klettere auf einen Baum“, riet ihm die Eule, „und dann wirst du weiter sehen als alle anderen.“ „Tatsächlich, du hast recht“, sagte das Männlein. „Also“, sagte die Eule, „ich sehe, wir verstehen uns. Ob jemand klein oder groß ist, ist nicht wichtig. Warum wünschst du dir, dass deine Beine wachsen!? Wünsche dir lieber, dass dein Verstand wächst, und dann wirst du viele Sorgen los, und habe eine reine Seele und ein reines Herz, und dann wirst du Gott gefallen.“