Es lebte einmal ein „frommer“ Mann. Jeden Tag, sobald er aufwachte, wusch er sich und ging dann zur Kirche zum Morgengottesdienst. Er sprach stets ein inbrünstiges Gebet: „Herr, ich komme immer zu Dir, ich habe niemals gefehlt. Morgens und abends bete ich und gebe Almosen. Könntest nicht auch Du einmal zu mir kommen?"
Gott erhörte sein Gebet und sagte zu ihm: „Morgen werde ich zu dir kommen!“ Welche Freude für den armen Mann. Er putzte das ganze Haus, kochte Essen und zündete Kerzen an. Im Gästezimmer richtete er eine Vielzahl von Tabletts mit Früchten, süßen Kuchen und Blumen an. Alles war vorbereitet, um Gott zu empfangen.
Zur Zeit des Morgengottesdienstes erblickte ein kleiner Junge, der gerade vorbeiging, durch das offene Fenster die Tabletts mit den Kuchen, trat näher und sagte: „Opa, du hast viele Kuchen, gibst du mir nicht einen davon?“ Verärgert über diese Kühnheit, antwortete der gläubige Mann aufgebracht: „Scher dich weg, du Satansbraten, wie kannst du es wagen, von mir zu verlangen, was ich für Gott vorbereitet habe?“ Der verschreckte Junge lief davon.
Die Glocke verkündete das Ende des Morgengottesdienstes. Der Christ sagte sich: „Gott wird sicher nach dem Mittagsgebet kommen. Warten wir auf Ihn.“ Müde setzte er sich auf die Bank vor dem Haus. Ein Bettler kam und bat ihn um ein Almosen. Der Mann jagte ihn ohne viele Worte fort. Dann wusch er sorgfältig die Stelle, wo der Bettler gestanden hatte.
Der Mittag verging, und Gott erschien immer noch nicht. Der Abend kam. Immer niedergeschlagener wartete unser Mann auf den versprochenen Besuch. Zur Zeit des Abendgebets erschien ein Pilger und bat ihn: „Erlaube mir, mich auf deiner Bank auszuruhen und die Nacht hier zu verbringen.“ – „Auf keinen Fall! Das ist der Platz, den ich für Gott vorbereitet habe!"
Es wurde Nacht. „Gott hat sein Versprechen nicht gehalten“, sagte sich der arme, betrübte Mann.
Am nächsten Tag ging der Mann zur Kirche zum Morgengottesdienst, brachte seine Gaben dar und brach in Tränen aus: „Herr, Du bist nicht zu mir gekommen, wie Du es versprochen hast! Warum?“ Gott antwortete ihm: „Dreimal bin ich gekommen, und dreimal hast du mich fortgejagt! Als du den kleinen Jungen, den Bettler und den Pilger fortgejagt hast, hast du Mich fortgejagt.“