Es war einmal eine sehr arme Frau, die hatte drei Kinder, und eine sehr reiche Frau, die hatte ebenfalls drei Kinder. Die Reiche war aber so geizig, dass sie der armen Frau niemals ein Almosen gab. Eines Tages hatte die arme Frau wieder kein Brot für ihre drei Kinder. Und die Kinder hatten Hunger.
Da ging die arme Frau zur reichen und sprach zu ihr: „Gib mir bitte ein Brot für meine Kinder. Sie leiden schrecklichen Hunger!“ „Auch ich habe kein Brot“, sagte die reiche Frau. „Wie soll ich dir denn etwas geben?“ „Aber du bist doch reich“, sagte die Arme, „sicher hast du noch einige Stücke trockenes Brot im Schrank.“ „Nein“, sagte die Reiche. „Wenn ich auch nur ein einziges Stückchen Brot habe, dann soll Gott es in Stein verwandeln!“ Und die arme Frau ging mit Tränen in den Augen fort.
Nachdem die arme Frau gegangen war, sagte die Reiche zu ihren Kindern: „Jetzt werde ich euch jedem eine Scheibe Brot mit Butter geben.“ Und sie ging zum Schrank, um das Brot zu holen. Aber alle Brote im Schrank waren Steine.
„Das macht nichts“, sagte die reiche Frau. Sie gab den Kindern Geld und einen Korb und sprach: „Geht, Kinder, zum Bäcker und kauft drei frische Brote!“ Die Kinder gingen, aber es dauerte lange, bis sie zurückkamen. „Warum seid ihr so lange weggeblieben?“, fragte die reiche Frau. „Mutter“, sprachen die Kinder, „der Brotkorb war furchtbar schwer.“ Die Frau öffnete den Korb und stellte fest, dass auch diese Brote sich in Steine verwandelt hatten.
Da erschrak sie. Sogleich ging sie zum Bäcker und kaufte Brot und Kuchen für die arme Frau. Sie brachte ihr auch Mehl, Fleisch und Butter. „Frau“, sagte sie zu ihr, „von nun an werde ich niemals mehr egoistisch sein. Gott hat alle meine Brote in Stein verwandelt. Wie gut wäre es, wenn sie wieder zu Brot würden, damit ich sie mit meinen Söhnen essen kann!“
Dann ging die reiche Frau nach Hause. Und siehe da, alle Steine waren wieder zu Brot geworden. So wurde die reiche Frau gütig gegenüber den Armen.