Während eines Krieges wurde ein Oberst schwer verwundet und eilig in das nächste Krankenhaus gebracht, wo er bestmöglich versorgt wurde. Doch nach einer Weile bemerkte er, dass sich am anderen Ende des Krankensaals zwei Betten mit Kranken befanden, denen sich niemand näherte, nicht einmal ein Arzt.
Nur eine einzige Nonne war stets bei ihnen und pflegte sie mit großer Liebe, bemüht, dass es ihnen an nichts fehle, und betete unaufhörlich. Als er fragte, warum die Kranken am Ende des Saals so isoliert seien, war der Oberst stumm vor Staunen, als er erfuhr, dass jene Menschen an einer unheilbaren Krankheit litten und in Kürze sterben würden. Niemand näherte sich den Kranken aus Angst, sich anzustecken.
„Gut“, fragte der Oberst weiter, „aber die Nonne, die immer bei ihnen ist und sie pflegt?“
„Natürlich war sie gesund“, antwortete ihm ein Arzt, „aber jetzt könnte sie sich auch angesteckt haben. Wir haben ihr nicht erlaubt, sich zu nähern, aber sie bestand darauf und sagte, dass sich jemand auch um diese Menschen kümmern müsse.“
„Mein Gott“, rief der Oberst, „so etwas würde ich nicht einmal für einen Sack voll Geld tun.“
Vom anderen Ende des Saals hörte ihn die Nonne und wandte sich mit einem Lächeln auf den Lippen zum Oberst um und antwortete ihm ruhig:
„Auch ich würde das nicht für einen Sack voll Geld tun. Ich tue es jedoch für eine viel größere Belohnung. Für die Dankbarkeit, die ich in den Augen dieser armen Menschen lese, denen ich helfen kann, und für die Belohnung, die Gott einem jeden von uns nach unserem Verdienst geben wird.“
„Du bist vollkommen, wenn du an deiner Stelle den Nächsten bevorzugst“ (Abba Jakob)