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Gleichnis

Das Tor zum Paradies

Es lebte einst ein sehr, sehr reicher Prinz, der aber auch sehr geizig war. Er hätte niemals etwas gegeben. Doch in einer Nacht träumte er, er sei gestorben und am Tor des Paradieses angekommen. Dort sagte der heilige Petrus zu ihm: „Komm mit mir, ich will dir zeigen, wo du von nun an wohnen wirst.“

Und sie gingen und gingen durch jene wunderbaren Gärten, bis sie an einem gewissen Punkt zu einem großen und schönen Palast gelangten. „Ah“, rief der junge Prinz, „hier werde ich wohnen?“ „Nein, auf keinen Fall.“ „Aber wer wird hier wohnen?“ „Hier wird nach seinem Tode dein Gärtner wohnen.“ „Wie ist das möglich, er, der nichts hat, der bettelarm ist, wie kann er so etwas verdienen?“ „Nun, dein Gärtner hat keinen Besitz auf Erden, denn alles, was er verdient, teilt er immer mit denen, die noch ärmer sind als er. Auf Erden sammelt er nichts an, weil er schenkt, aber hier, schau, wie viel er angesammelt hat! Alles, was du hier siehst, ist die Frucht seiner Güte.“

„Gut, und wo werde ich dann wohnen?“, fragte der Prinz unzufrieden weiter. „Dort drüben, in dieser Hütte!“ „Wie, in dieser Bruchbude?! Da sind ja nur ein paar elende Bretter, die kurz davor sind, einzustürzen... wie soll ich in diesem Elend wohnen? Ist das etwa gerecht?“ „Sicherlich ist es gerecht“, antwortete ihm der heilige Petrus! „Denk doch mal nach, was hast du denn geschenkt? Nichts! Was hättest du gewollt, das hier erscheint!? Wärst du gut und freigebig gewesen wie dein Gärtner, dann hättest du auch solche Paläste gehabt, vielleicht sogar mehr, aber so... Alles, was du dort siehst, ist die Frucht deines Geizes...“

In diesem Augenblick erwachte der junge Prinz erschrocken aus seinem Traum. Von diesem Tag an änderte er sich. Er sammelte keine Schätze mehr auf der Erde, sondern im Himmel. Er häufte nicht mehr Reichtümer über Reichtümer an, denn wozu hätten sie ihm später genützt? Mit allem, was er hatte, half er den Armen und sammelte auf diese Weise einen viel wertvolleren Schatz an: die Dankbarkeit derer, denen er geholfen hatte, und das Gute, das er tat. Das war der Reichtum, den ihm niemand hätte stehlen können!

Es wäre weise, wenn wir alle wie der Prinz aus der Geschichte handeln würden, denn wahr ist das Wort, das da sagt: „Uns bleibt nur das, was wir verschenken.“ „Auf dem Weg des Guten ermüdet man schneller durch Ausruhen als durch Anstrengen.“