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Gleichnis

Zu viele Worte um nichts

Ein Eselchen stand einmal unbeweglich und nachdenklich da, die Schnauze auf einen Zaunpfahl gestützt.

„Woran mag der Dummkopf nur denken?“, fragte das Zicklein, das ihn schon eine Weile verwundert beobachtet hatte.

„Nur ich weiß es!“, warf das Fohlen ein. „Er denkt an die Schläge, die er gestern wegen seiner Ungeschicklichkeit bekommen hat. Denn wisst ihr, was er getan hat? Wie ein Tölpel hat er den Gemüsekarren umgeworfen, vor den er gespannt war! Das kann man ihm übrigens deutlich von seinem finsteren Gesicht ablesen …“

„Ich wette, dass es nicht so ist“, sagte ihrerseits ein Haubenhühnchen. „Er träumt davon, wie glücklich er ist, hier bei uns zu sein. Lest ihr das nicht in seinen Augen?“

Diese verschiedenen Meinungen erregten die Aufmerksamkeit einiger Pferde, die in der Nähe angebunden standen. Da jeder seine eigene Meinung äußerte und hartnäckig daran festhielt, entbrannte nach einer Weile ein hitziger Streit.

Eine Kuh, die sich ebenfalls ins Gespräch einmischte, hatte die Idee, dass es das Beste wäre, wenn sie alle zum Eselchen gingen, damit er ihnen sage, woran er denke, denn niemand könne das besser wissen als er selbst.

Also gingen sie hin und fragten ihn: „He, Gevatter, seit einer Stunde streiten wir hier, um herauszufinden, woran du vorhin gedacht hast, und jeder von uns hatte eine andere Meinung. Könntest du uns nicht selbst aufklären, damit wir es besser wissen?“

Das Eselchen, das ein paar Mal schwerfällig wie ein Denker mit dem Kopf nickte, antwortete ihnen: „Um Euch die Wahrheit zu sagen, meine Herren, ich habe an gar nichts gedacht!…“