Ein junger Mann, der nach erlesener Lehre dürstete, ging einst in ein Kloster, um einen alten Mönch um Rat zu fragen: „Vater, geben Sie mir bitte ein Buch, aus dem ich am besten lernen kann, wie ein Christ sein soll; wie er denken, was er tun soll; ein Buch, das mir all diese Dinge erklärt!“
Der Mönch sagte ihm, er habe ein solches Buch in seiner Zelle, und ging, um es zu holen. Nach wenigen Augenblicken kehrte er jedoch zurück, hielt ein Kreuz in der Hand und reichte es dem jungen Mann. Als er dessen Verwunderung bemerkte, sagte er zu ihm:
„Mein Sohn, das Kreuz ist die vornehmste Lehre, die Gott dem Menschen gegeben hat. Für uns hat sich der Erlöser am Kreuz geopfert und uns so gezeigt, was es bedeutet zu lieben, denn Er tat dies aus Liebe zu den Menschen.
Das Kreuz ist eben jener Weg, auf dem der Mensch zur Liebe, also zu Gott, gelangt. Wer sein Kreuz zu tragen weiß, trägt zugleich die Gnade und die Liebe des Herrn mit sich. Deshalb ist das Kreuz keine Last, sondern eine Freude; wenn du dich einem geliebten Menschen hingibst, tust du es nicht mit Traurigkeit und Zurückhaltung, sondern mit Freude und Begeisterung.
Das Kreuz bedeutet also Mut, Geduld, aber vor allem Liebe. Du wünschtest dir ein Buch, das du mit deinen Augen lesen kannst und dessen Lehre deinen Verstand erleuchten sollte. Siehe, hier ist stattdessen das Kreuz – ein Buch, das du mit deiner Seele lesen wirst und dessen Lehre dein ganzes Leben erleuchten wird.“
„Das Kreuz, Quelle der Heilung, Tür der Mysterien, Waffe des Friedens, Freude meiner Seele“ (Akathist zum heiligen Kreuz)