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Gleichnis

Der Lohn

In einem Bergdorf lebte ein Mann, der für seinen Fleiß bekannt war. Doch so fleißig der Mann war, so faul war sein Sohn. Den ganzen Tag hätte er untätig dastehen können und sich doch nicht gelangweilt. Eines Nachmittags jedoch ging er zu seinem Vater und sagte:

– Vater, ich habe auf der Gasse einige Jungen gesehen, die neue, sehr schöne Stiefel trugen. Solche Stiefel möchte ich auch haben.

– Mein Junge, antwortete der Mann, wenn du auch nur ein wenig arbeiten würdest, gäbe ich dir das Geld, aber so, für umsonst, sag selbst, ist das gerecht?

Das Kind sagte nichts mehr, ging aber verärgert weg. Er wünschte sich solche Stiefel so sehr, dass er am nächsten Tag erneut zum Vater ging, um ihn um Geld zu bitten. Doch auch diesmal lehnte der Vater ab.

Als er am dritten Tag kam, um ihn um Geld zu bitten, sagte der Bauer:

– Sieh mal, mein Junge, ich sehe, ich werde dich nicht los! Ich habe hier im Garten zu tun. Aber auf dem Dachboden ist ein Haufen Weizen, der geworfelt werden muss, sonst wird er feucht und verdirbt. Nimm die Schaufel in die Hand, worfele du den Weizen und komm dann hierher, dann gebe ich dir Geld, um dir die Stiefel zu kaufen.

Der Junge konnte sich vor Freude kaum halten. Er stieg schnell auf den Dachboden des Hauses, doch sein Herz zog ihn nicht wirklich zur Arbeit. Also legte er sich auf einen Armvoll Heu, machte ein Nickerchen und rannte danach in den Hof und rief:

– Fertig, Väterchen, ich habe den ganzen Weizen geworfelt. Gibst du mir jetzt das Geld?

– Nein! – antwortete der Mann kategorisch. Ich habe dir gesagt, du sollst den Weizen worfeln, nicht deine Zeit vertrödeln. Geh auf den Dachboden und tu, was ich dir gesagt habe!

Der Junge ging wieder, konnte aber nicht verstehen, woher der Vater wusste, dass er den Weizen nicht geworfelt hatte. Wahrscheinlich hatte er ihn schlafend überrascht und ihn nicht geweckt, anders konnte es nicht sein… Also, nachdem er wieder auf den Dachboden gestiegen war, legte er sich auf die Lauer, anstatt sich um den Weizen zu kümmern. Eine halbe Stunde lang beobachtete er mit auf den Vater gerichteten Augen, der eifrig im Hof arbeitete, und als er meinte, es sei genug, ging er wieder in den Garten.

– Vater, ich habe die ganze Arbeit erledigt, kein Weizenkorn ist unberührt geblieben. Gibst du mir jetzt das Geld?

– Mein Junge, nicht nur, dass du faul bist, du bist auch noch ein großer Lügner. Schämst du dich nicht? Wisse, wenn du auch diesmal nicht auf den Dachboden gehst und die Arbeit ordentlich machst, siehst du keinen einzigen Stiefel mehr. Verstanden?

Als der Junge sah, dass es nicht anders ging, stieg er auf den Dachboden, nahm die Schaufel in die Hand und begann, den Weizen zu worfeln. Doch als er die Schaufel in den Haufen stieß, fand er im Weizen versteckt ein Paar nagelneue Stiefel, genau so, wie er sie sich gewünscht hatte.

Er freute sich, wie zu erwarten war, doch gleichzeitig schämte er sich in Grund und Boden für seine vorangegangenen Lügen. Ohne dass ihn jemand dazu aufforderte, worfelte er den ganzen Weizen, danach ging er auch in den Garten, um seinem Vater zu helfen. Jetzt spürte er wirklich, dass er die Stiefel verdient hatte, aber mehr noch spürte er, wie gut es ist, bei den Eltern zu sein und ihnen zu helfen.

„Zieht eure Kinder auf in der Zucht und Ermahnung des Herrn!“ (Heilige Schrift)