Eines Tages wurde ein neuer Häftling in eine Gefängniszelle gestoßen. Er war kahlgeschoren, schmutzig und mager. Zuerst erkannte ihn niemand, doch nach einigen Augenblicken rief jemand: „Das ist Hauptmann Traian.“
Er war einer der grausamsten Peiniger gewesen. Er hatte viele von denen, mit denen er nun die Gefängniszelle teilte, verhaftet, geschlagen und gefoltert. Alle versammelten sich um ihn und fragten ihn, wie es dazu kam, dass er inhaftiert wurde.
Mit Tränen auf den Wangen erzählte er ihnen: „Vor einigen Monaten, als ich im Büro saß, kam ein Junge von 12-13 Jahren herein und hielt einen Blumenstrauß in der Hand, den er mir reichte und sagte: ‚Herr Hauptmann, Sie haben meine Eltern eingesperrt. Heute ist der Geburtstag meiner Mama. Jedes Jahr an diesem Tag habe ich ihr Blumen gebracht. Ihretwegen habe ich meine Mama heute nicht bei mir, um ihr diese Freude zu machen, aber sie hat mich gelehrt, das Böse mit Gutem zu vergelten. Deshalb habe ich mir gedacht, diesen Strauß Ihrer Frau zu schenken, also der Mutter Ihrer Kinder, denn auch sie wird sich als Mutter genauso freuen, wie sich meine Mama gefreut hätte‘.“
„Das war zu viel für mich“, sagte der Hauptmann. „Die Geste des Kindes hat mich zu Tränen gerührt. Auch ich bin ein Mensch. Ich umarmte das Kind, und seitdem konnte ich niemanden mehr foltern, und so verlor ich meinen Dienst und meine Position. Ich erkenne meine Grausamkeit an und bedauere sie, und ich freue mich, hier zu sein, um so ein wenig von dem begangenen Bösen wiedergutmachen zu können.“