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Gleichnis

Die heilige Einfachheit

Ein Dorfpriester, der geschäftlich ins Nachbardorf unterwegs war, sah eine Frau aus seiner Pfarrei, die ihre Wäsche im Fluss wusch. Als er sich ihr näherte, fragte er sie: „Am Sonntag im Gottesdienst habe ich bemerkt, dass mir nicht alle aufmerksam zugehört haben. Vielleicht habe ich über zu gelehrte Dinge gesprochen, und ich überlege, diesen Sonntag verständlicher für die Menschen zu predigen. Sagen Sie mir, was haben Sie von dem verstanden, was ich in der Predigt gesagt habe?“

„Vater“, antwortete die Frau demütig, „ich bin nicht sehr gebildet, aber ich möchte Sie auch etwas fragen: Sehen Sie die Tücher, die ich gerade wasche? Das Wasser fließt durch sie hindurch und reinigt sie. Glauben Sie, sie haben eine Ahnung davon, wie das Wasser sie gereinigt hat? Und trotzdem werden sie weiß und schön. Ich verstehe in der Kirche nicht jedes Wort Euer Hochwürden, aber ich spüre in meiner Seele die Wärme des Heiligen Geistes, der mich von der Sünde reinigt, so wie dieses Wasser meine Tücher reinigt.“

Sehr zufrieden ging der Priester fort, als er einen Menschen sah, der nicht nur mit den Gedanken, sondern auch mit der Seele bei den heiligen Dingen war.

„Zu Gott gelangen wir durch eine bestimmte Lebensweise, nicht durch eine bestimmte Denkweise“ (Christos Yannaras)