Eines Tages, als der heilige Martin durch eine Stadt ging, sah er einen armen Mann, der wegen seiner Schulden gefoltert wurde. Voller Mitleid mit den erlittenen Qualen bat der Heilige die Geldverleiher, dem armen Mann zu vergeben und zu warten, bis er sie bezahlen könne. Doch diese, habgierig, wollten davon nichts hören.
Der Heilige begann so zu beten: „Herr, Barmherziger, Du, der Du Manna in der Wüste regnen ließt und Dein Volk genährt hast, sende nun die Schuld des armen Mannes, zur Verherrlichung Deines Namens!“ Sogleich stieg eine Taube vom Himmel herab und ließ sich auf der Schulter des Heiligen nieder. Als dieser sie nehmen wollte, verwandelte sie sich in eine goldene Taube.
Der heilige Martin nahm sie und brachte sie zu einem Geldverleiher, von dem er 300 Goldstücke erhielt, genau die Schuld des armen Mannes, woraufhin er zum Ort der Folter ging und den armen Mann rettete.
Am nächsten Tag brachten einige Gläubige dem Heiligen eine große Menge Geld, das dieser zum Geldverleiher trug, um die Taube zurückzukaufen. Als der heilige Martin mit dem Geld zum Geldverleiher ging, tat diesem die so gut gearbeitete Taube leid, doch der Heilige gab ihm noch zusätzliches Goldgeld. Er nahm die Taube und sprach zu ihr: „Flieg, himmlisches Wunder!“ Die Taube flog sogleich davon, und der Geldverleiher gab ihm das Geld zurück und sagte zu ihm: „Dieses Wunder ist mir Lohn genug, nimm das Geld und gib es den Bedürftigen!“